Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-07-01 · Heft 7 (1.7.1901) · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 7 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969906-2969913--6329-2975691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

studien auf diesem Gebiete machen lassen — mit so merkwürdigem Erfolge, daß man die seitherige Vernachlässigung kaum begreifen kann. Unser Religionslehrer Gerson Wolf, ein Autodidact ohne wissenschaftliches Rüstzeug, hat allerlei interessante Materialien und Monographien zu Tage gefördert, ein tüchtiger Gelehrter, Herr Schweinburg-Eibenschütz, hat sich die Mühe genommen, einige wichtige Momente aus dem niederösterreichischen Städte-Archiv zu veröffentlichen, und der geniale David Kaufmann hat mit seinen Schriften „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien" und „Samson Wcrtheimer" den Anfang einer auf streng wissenschaftlicher Forschung beruhenden, populären Darstellung gemacht; er war eben im Begriffe, die durch den Bienenfleiß unseres vortrefflichen College« Dr. Grünfeld beigebrachten photographischen Jnschriftcopien des Seegasse-Friedhofs zu einer Geschichte der Wiener Judenschaft zu gestalten, als ihn der Tod abrief. Es ist typisch für das geringe Interesse, das man in Wien an der historischen Forschung nimmt, daß das merkwürdige Wiener Memorbuch, das uns aus Fürth leihweise zugeschickt wurde, hier keine Bearbeitung fand und als der gelehrte Fürther Rabbiner dasselbe in der Grätz-Frankel'schen Monatsschrift vorläufig gehandelte, der bezügliche Aufsatz in Wien unbekannt geblieben ist. Weit besser erscheinen die analogen Zustände in anderen Großgemeinden. Der Deutsch-israelitische Gemeindebund hat seinerzeit eine historische Commisson begründet, welcher neben bedeutenden jüdischen Gelehrten die Koriphäen der deutschen Historiker angehörten. Diese Commission, obschon nur durch 5 Jahre thätig, hat Ausgezeichnetes geleistet, Regesten für die Gräuelzeit der Kreuzzüge aufgestellt, durch Publikation der Kölner Schreins-Urkunden der jüdischen Culturgeschichte wichtige Bausteine geliefert, und durch Bearbeitung von Memorbüchern und Familienurkunden überreiches Material nutzbar gemacht. Hierzu muß konstatiert werden, daß die radicale Umkehr der Anschauungen über jüdische Geschichtswissenschaft leider zumeist christlichen Gelehrten zu danken ist, wie Stobbe, Döllinger u. A., auch dem Kunsthistoriker Weber, der an den symbolischen Doppelstatuen „Kirche und Synagoge", welche sich an vielen deutschen Kirchen befinden, die politische und theologische Wandlung der Anschauungen chronologisch kennzeichnete. Auch in Frankreich hat die unter Rothschild'scher Aegide stehende „Societe des etudes juives“ sehr Tüchtiges geleistet; eine Reihe von dortigen Stadtarchiven ist methodisch durchforscht und das ausgebreitete Material rüstig verarbeitet. In England wird gleichfalls Vielerlei gefördert, wie dies aus dem „Jewish Quarterly Review“ zu ersehen ist, desgleichen in Amerika und in Budapest, wo die drei Matadore des Seminars, der verewigte David Kaufmann, Bacher und Goldzieher, den Mittelpunkt für fleißige und erfolgreiche Geschichtsforschung bilden. Ganz besonders möchte ich noch der eigenartigen, nicht genug zu rühmenden Thätigkeit des „Hamburger Verein für jüdische Volkskunde" erwähnen. Der dortige junge Rabbiner Dr. Grunwald, dessen hier gehaltener Vortrag „Goethe und die Juden"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.