Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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142 ausgestattet ist, mit Barrieren, Wasserturin, Wärterhäuschen, Signalscheiben u. s. w. I» der Kuppel des Bahnhofsgebäudes befindet sich das Uhrwerk, das zunächst die Zeigerwerke mehrerer Zifferblätter treibt, welche die Zeit an verschiedenen Orten der Erde anzeigen, und eine andere Uhr, von welcher die Jahreszeit, der Monat und Tag, sowie die Mondphase abzulesen sind. Aber sobald die Uhr die Mittagsstunde schlägt, beginnt sich alles zu beleben: man sieht die kleine Telegraphistin in ihr Bureau eilen, wo sie die Nachricht von der Ankunft des Zuges erhält; ein Wärter läutet die Bahnsteigglocke, ein Pfiff ertönt und der Zug, der unter dem Bahnhofsgebäude hervorkommt, fährt ein. Die Lokomotive hält beim Wasserkrahn, um Wasser zu nehmen, und die anfänglich roten Signalscheiben werden grün, um den Zug zu decken. Der Bahnhofsvorsteher ist aus seinem Geschäftszimmer auf den Bahnsteig getreten und der Wagenmeister waltet seines AmteS; die Reisenden kommen aus den Wartesälen, gehen znm Fahrkartenschalter und schreiten weiter. Der Bahnsteigwärter läutet dreimal, der Zug wird vom Telegraphenbeamten der nächsten Station angemeldet, der Zugführer pfeift, die Maschine antwortet und der Zug fährt ab; die Reisenden in den Wagen winken noch einmal zum Abschiedsgruß. Während der Bahnwärter in sein Häuschen zurückkehrt, schließen sich die Bahnhofsschranken; ein Gendarm tritt auf, der das in diesem Augenblick erscheinende Bild des Czaren militärisch grüßt, und ein unsichtbares Orchester beginnt die russische Nationalhymne zu spielen. Nachdem sie geendet, kehrt der Bahnhofsvorsteher in sein Geschäftszimmer zurück und die Ruhe ist wiederhergellt.. Da der Erfinder den überaus verwickelten Mechanismus selbst angefertigt hat, so besitzt er neben seiner großen Erfindungsgabe jedenfalls eine nicht minder bewundernswerte Ausdauer und Geduld, denn wenn wir die Jahreszahlen unter der Hauptuhr richtig deuten, hat er sechs Jahre an seinem Werk gearbeitet, das bei seiner Vorführung in Rußland berechtigte Bewunderung gefunden hat. Meserate und Mitteilungen. Im Verlage von Mahlau und Waldschmidt in Frankfurt ist'erschienen: Die rumänischen Inden unter dem Fürsten und König Karl von Julius Molke. Der Verfasser, ein um das Schicksal der osteuropäischen Juden hochverdienter Mann, entwirft in dieser ebenso zeitgemäßen wie lehrreichen Schrift, die sich durchweg auf Aktenstücke stützt, ein Bild der Geschichte der Juden in Rumänien in dem letzten Jahrhundert. Sie ist gegeignet, eine Frage, die vielfach besprochen, in's rechte Licht zu setzen, zumal sie oft der geschichtlichen Gründlichkeit und Durchsichtigkeit entbehrend auch in sonst edeldenkenden Kreisen zu oberflächlich und darum unrichtig behandelt wurde. Wir ersehen aus dieser Schrift, wie trotz des Ansturmes aller Cabinette gegen veraltete Vorurteile die Lage der Juden eine traurige geblieben,