Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 141 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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141 der jüdischen Geschichte und Literatur gearbeitet, und sich nicht nur in Rußland, sondern weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus einen Namen erworben. Er war auf seinem Arbeitsfeld der erste Pionier und durch seine Forschungen in der arabischen und altrussischen Literatur hat er viele handschriftliche jüdische Geschichtsdokumente aus dem Kaukasus, der Krim, Chasarien und Kiew zu Tage gefördert und sie mit wichtigen Commentarien versehen, die an sich schon eine bedeutende Arbeitssumme darstellen. Auch der Geschichte der polnisch-lithauischen Juden widmete er eingehende Studien. Dank seiner unermüdlichen Vertiefung hat sich auch das Schicksal der Karaim geklärt, deren Vergangenheit durch die falsche Beleuchtung von Firkowitsch völlig verworren und entstellt war. Von unschätzbarem Werte für das Judentum ist die vom Jubilar herausgegebene und erläuterte Sammlung jüdischer Literaturwerke, die sich in der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek zu St, Petersburg befanden. Auch gegenwärtig noch ist Harkavy mit dem Studium wichtiger Handschriften beschäftigt. Als eines seiner hervorragendsten Werke ist die Ergänzung der Grätz'schen Geschichte zu kennzeichnen, die Schaphar ins Althebräische übersetzt hat. Viel Dank und Anerkennung ist die jüdische Gesellschaft dem Gelehrten Harkavy schuldig, der sein Leben und seine Thatkraft in den Dienst der jüdischen Geschichtsforschung gestellt und die Zahl der jüdisch-historisch-literarischen Denkmäler wesentlich vermehrt hat. Es bleibt nur zu wünschen, daß die frische Kraft und Energie, deren er sich erfreut, ihm noch lange erhalten bleibe. — Die jüdischen Soldaten des in Kogatschem, Gouvernement Mohilew, garnosirenden 159. Gurew'schen Infanterieregiments haben zur Feier der Wiedergenesung des Czaren Nikolaus, welcher bekanntlich vor einigen Monaten in Livadia schwer an Typhus darniederlag, eine Thorarolle geschrieben, welche sie dem Regiment zu schenken beschlossen haben. Am 2b März war die Thorarolle fertig, worauf sie unter Klängen der Regimentsmusik von den einander sich ablösenden jüdischen Soldaten unter einem Baldachin nach der großen Synagoge von Rogatschew getragen wurde, wo sie zur Verfügung der jüdischen Soldaten des Gurew'schen Infanterieregiments verbleiben soll. In einer Ansprache gab der Oberst des Regiments die feierliche Zusage, daß die Thorarolle vom Regiment hochgehalten und genau wie die Regimentsfahne von ihm geschützt und verteidigt werden soll. — Ganz oben in der Marineausstellung in Paris, in einem so gut verborgenen Winkel, daß es nur von wenigen Besuchern gefunden wurde, stand auf einem Tische ein aus Kupfer und Bronce hergestelltes Häuschen, das erst bei näherer Betrachtung als ein Uhrwerk sich herausstellte. Es ist der sogenannte „russische Kahnhof", ein wahres Meisterwerk der Uhrmacherkunst, von I. M. Goidfadoff angefertigt. Die etwa 1,5 Meter breite und 1,1 Meter hohe Vorderseite stellt einen russischen Bahnhof dar mit Allem, was dazu gehört: dem Telegraphen, Schalter, Bahnhofsvorsteher, Bahnwärter, der Kasse sogar einem Buffet u. s. >D. Um den vor dem Bahnhof angelegten kleinen Garten mit Springbrunnen, Bäumen »nd Blumen läuft eine Eisenbahn, die gleichfalls mit allem Zugehörigen