Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Mitglieds der Baptisten-Gemeinde, am zweiten Tage von Fran I. W. Flatow, einer frommen und wohlthätigen Jüdin eröffnet. Frau Flatow, welche mit großem Beifall empfangen wurde, erklärte, daß sie die ihr erwiesene Ehre sehr wohl zu schätzen wisse. Obgleich sie weder zur Baptisten-Kirche noch überhaupt zur christlichen Kirche gehöre und obwohl sie nicht einmal in England geboren sei, (Mrs. Flatow ist eine geborene Deutsche), so habe sie doch lange genug in England gelebt, um englische Toleranz zu kennen und das englische Volk herzlich lieben zu lernen. Die Engländer seien von der religiösen Duldung so durchdrungen, daß dieselbe, vom niedrigsten englische» Arbeitsmann bis hinauf zum englischen König, mit dem sie als Prince of Wales öfters zu sprechen die Ehre hatte, in allen Lebenslagen geübt werde. Sie schloß: Indem ich mir gestatte, für den Zweck des Bazars einen kleinen , Beitrag von 3 £ zu übergeben, erkläre ich den Bazar für eröffnet. — An der Universität zu Amsterdam hat sich unlängst der Rabbinats-Asseffor Wijnbopp, der Sohn des Rabbiners, als Privatdocent für neuhebräische Literatur habilitiert und dabei eine fesselnde und lehrreiche Rede über den Nutzen des Studiums dieser Literatur gehalten. Es wäre zu wünschen, daß diese Rede auch ins Deutsche über« tragen würde. Wir wissen nicht, in welchem Umfange Herr Wijnkopp den Begriff „neuhebräische Literatur" versteht: ob als nachbiblische oder nur als nachtalmudisches Schrifttum der Juden. Jedenfals ist es erfreulich, daß nunmehr jüdische Literatur öffentlich an einer Universität gelehrt wird, und zu bedauern ist es nur, daß dies an einer nichtdeutschen Universität geschieht. An den deutschen Hochschulen kann, man alle nützlichen orientalischen Idiome und ihre Literaturen studieren, von der jüdischen Litteratur wird nur die Bibel behandelt, höchstens, daß an einigen wenigen, höchstens 5—6 Universitäten, ein kleineres Kollegium über den Talniud abgehalten wird. Die gesummte ungeheure jüdische Literatur der letzten anderthalb Jahrtausende wird von unseren Fakultäten als quantite negligeable behandelt. Alle die zahllosen Dichter, Philosophen, Moralisten existieren für sie einfach nicht. Zwar hat es auch in Deutschland nicht an Bestrebungen gefehlt, jüdische Literatur und Geschichte zum Lehrgegenstande an deutschen Universitäten zu machen. Zunz wäre seinerzeit gerne Dozent für dieses Fach geworden, Geiger und Philippson arbeiteten auf eine jüdisch-theologische Fakultät hin; alles vergeblich! die ..tolerierte Konfession" mußte sich damit begnügen auf ihre Kosten Rabbiner-Seminarien zu errichten, wo ihre Literatur eine Zuflucht fand. Und doch wäre die Errichtung eines solchen Lehrstuhles an einer Universität auch von großer praktischer Bedeutung. Die dreisten Lügen der Antisemiten z. B. über de» Schulchan-Aruch würden verstummen wenn dies Buch offen und vor aller Welt von einem staatlich angestellten Docenten interpretiert würde. — Am 4. März feierte der Forscher und Gelehrte A. I. Harkavy zu St. Petersburg sein vierzigjähriges literarisches Jubiläum. An diesem Tage erschien im Jahre 1861 im „Roßwet," dem ersten jüdisch-russischen Organ, seine erste Abhandlung. Seitdem hat Harkavy unverdrossen auf dem Gebiete m M