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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-06-01 · Heft 6 (1.6.1901) · p. Seite 138

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 6 (1.6.1901)
Date
1901-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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wäre reichlich belohnt durch deu Augenblick, in welchem ich das edelherzigste Oberhaupt der christlichen Kirche sehen kann," erwiederte die illustre Besucherin- „Sie sprechen aber sehr gut italienisch. Wo haben Sie diese Sprache so vortrefflich gelernt?" . frug der Papst. „Zuhause in Ungarn, Ew. Heiligkeit." „Wie ich erfahre, sind Sie; kein Mitglied meiner Kirche" meinte der Papst. „Ich bin zwar keine Katholikin, 1 doch anerkenne ich die Lehre der Nächstenliebe und daß wir alle Kinder eines Vaters sind." Der Papst schwieg. Frau Dr. Neumann dankte mit einer tiefen Verbeugung und hiemit war die Audienz zn Ende. — Arck Einladung des Vereines „Afike , Jehuda“ in Prag hielt Rabbiner Dr. Grün einen Vortrag über das Thema „Was uns die Grabsteine auf dem alten jüdischen Friedhofe erzählen." Der Vortragende i machte die Grabsteine, die aus dem 16. Jahrhundert stammen, zum Gegenstands seiner Besprechung. In klarer, fesselnder Weise erzählte er von dem Rabbiner Avigdor, dem Autor mehrerer Gedichte, die die Judenverfolgung in Böhmen um das Jahr 1541 zum Gegenstände haben. Im Jahre 1527 hatte Avigdor im Namen seiner ' Glaubensgenossen dem Kaiser Ferdinand I. anläßlich dessen Kaiserkrönung in Prag? gehuldigt. Der Kaiser hatte ihm die Zusicherung gegeben, er werde den Juden stets ein gnädiger Herr bleiben. Schon 14 Jahre später erließ er das Edikt, das die , Ausweisung der Juden aus der Stadt verfügte. Man hatte ihnen verschiedene Brand-! Stiftungen zur Last gelegt. Noch im selben Jahre jedoch stellte sich die Unschuld der Juden heraus und es erfolgte die Zurücknahme des Ediktes. Der Vortragende ging hierauf zur Darstellung der Biographie des „hohen Rabbi Löw" über, dessen Grabstein im Laufe der Jahrhunderte die mannigfachsten Schicksale erduldete. Seine gegenwärtige Gestalt hat er im Jahre 1824 erhalten. Rabbi Löw, um dessen Leben , und Wirken sich ein Legendenkreis gebildet hat, so z.. B. die Sage von dem thönernen, : künstlich belebten Menschen, wird von den Zeitgenossen als einer der herorragendsten Vertreter seiner Nation geschildert Es ist bezeichnend für sein Wirken, daß er, voll Bewunderung für die Leistungen der zeitgenössigen christlichen Gelehrten, seine Jünger i auf das Studium der Naturwissenschaften verwies. Die kritische Forschung hat die Anfeindungen und Verleumdungen, die die Gestalt dieses ausgezeichneten Mannes verdunkelten, hinweggeräumt. Mit einem warmen Apell an die zahlreich Erschienenen, . den Todten auf dem alten jüdischen Friedhöfe als Zeugen einer längst entschwundenen, , leidvollen Zeit ihres Volkes herzliche Pietät zu bewahren, schloß Dr. Grün seinen Vortrag. — Der französische Geistliche Durand hat den gewaltigen, das Thal Hinna überbrückenden Bogen der alten Wasserleitung, welche Jerusalem von Bethlehem her mit Wasser versorgt, untersucht und konnte ans Inschriften feststellen, daß das Bauwerk nicht von Pvmius Pilatus oder König Herodes oder gar von Salomo herrührt, wie es bisher hieß, sondern erst im Jahre 195 n. Ehr. unter Septimns Severus von Bauleuten der in Jerusalem stehenden 10. Legion erbaut wurde- — Der Engländer I. T. Miß hat in dem hügeligen Schephelah-Gebiete zwischen-der Ebene der Philister und dem Gebiete Inda im Teil Sandahannah (verderbt aus

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