Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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136 dereinst das Glück haben werde, vom „Livjatan“ zu genießen, der hieniden öfters „Schirajim“ eines „guten Juden" andachtsvoll „bikewonoh godoloh“ gegessen habe. Nun begann der Rabbi allerlei moralisch-kabbalistisch-exegetische Reden zu halten, die trotz der Ignoranz der anwesenden Chassidim sich des größten Beifalls erfreuten. Nach Beendigung der Mahlzeit wurden von sämmtlichen Gästen mehrere „Semiroth“ nach echt polnischer Weise gesungen, und endlich das Maarivgebet verrichtet. Nach der Havdalah, es war ungefähr 11 Uhr nachts, begann der fromme Rebbe, da die Geisterstunde herannahte, feierlichst große Wunder von dem Baal Schem, d. h. Gottesmann, Wunderthäter. der erst in Hußti in Polen, nachher in Medziboze in Podolien lebte, und anderen Chassidim zu erzählen. Und als er vom hohen Rabbi Löb und den von ihm fabrizierten Golam sprach, stellte mein Nachbar an mich die Frage: „Seid Ihr schon einmal in Prag gewesen?" Diese altehrwürdige an Sagen und Märchen reiche Stadt, entgegnete ich ihm, habe ich schon zu wiederholten Malen gesehen. „Nun habt Ihr auch," replicirte der Chassid, „den Golam, der auf dem Boden der Altneuschule aufbewahrt ist, gesehen?" Dieses Wunderwerk zu sehen, erwiederte ich ihm, war mir leider nicht gegönnt, weil, wie der Schames mir sagte, das heilige Gemach des Golam nur demjenigen eröffnet werden darf, der als der frömmste und heiligste der Gemeinde anerkannt und verehrt wird. Jeden Freitag, nachdem er das übliche Tauchbad genommen, erhält er den Schlüssel zu des Golams Gemach, in welchem sich ein großer Spiegel befindet, er braucht nur einen Blick in denselben zu werfen und er sieht den Golam in seiner ganzen Größe. Ach, seufzte der fromme Chassid und sagte: Ich würde mich überaus glücklich fühlen, wenn es mir beschieden wäre dieses Wunderwerk zu sehen, allein es gebricht mir an der nötigen Gelehrsamkeit, als daß ich hoffen könnte, einst dorthin kommen zu dürfen. — Herr L. UollaK, seit 1872 Rabbiner in Dudapeß feiert am 27. Mai sein fünfzigjähriges Rabbinerjubiläum. Geboren zu Neutra 1822, besuchte er herangewachsen die Talmudschule des Ezech. Baneth, trieb später in Altofen Gymnasialstudien und besuchte 1846—1851 die Prager Universität. 1851 trat er die Stelle als Rabbiner in Janowitz an, folgte 1854 einem Rufe an die Neusynagoge in Prag und trat 1855 als Nachfolger Hirsch Gläsers das Rabbinat in Kremsier an. Er wirkte daselbst sehr segensreich und hat sich auch um die Geschichte der Gemeinde verdient gemacht. Bon Kremsier folgte er einem Rufe nach Inowrazlaw. — Man berichtet: Herr Geheimrat Professor Dr. Hermann Gohen von der Marburger Universität hielt am 31. März von der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums eingeladen, im Festsaale des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins in Wien einen Vortrag über den „Styl der Propheten." Dem berühmten Gelehrten kam man augenscheinlich mit spannender Erwartung entgegen und dieselbe wurde auch keineswegs getäuscht. Geheimrat Hermann Cohen ist das anerkannte Haupt der deutschen Neu-Kantianer und ihm nicht zum wenigsten hat es die Philosophie zu danken,