Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969912--6315-2975676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 135 — Literatur und versuchte sich selbst in poetischen Schöpfungen. Er setzte 1838 seine Studien in Berlin fort und bewegte sich in einer geistig lebhaft angeregten J Gesellschaft, zu der u A. auch Bettina von Arnim gehörte. Nach seiner Promotion gedachte er sich an der Berliner Universität als Privatdozent zu habilitiren, aber als Jude mußte er darauf verzichten. Er ließ sich deshalb zuerst in Pleß in ' Schlesien, und dann in Gleiwitz als praktischer Arzt nieder. 1850 siedelte er nach Berlin über, wo er ein Jahrzehnt später seine ärztliche Praxis niederlegte, um sich ausschließlich literarischen Arbeiten zu widmen. Ring schrieb eine ungemein große ' Anzahl von Romanen, Novellen, Dramen n. s. w. Seinen Werken, die zum großen Teil soziale Fragen der Gegenwart behandeln, ist Ernst der Tendenz und Schärfe der Beobachtung des menschlichen Lebens nachzurühmen. Hervorzuheben sind unter seinen Schriften: seine „Lebenserinnerungen" (1897), die besonders ein scharfes f Licht auf die Stellung des gebildeten Juden in vormärzlicher Zeit werfen, und der große historische Roman. „Das Haus Hillel" (1879), der, der jüdischen Geschichte entnommen, ein farbenreiches Gemälde der Zustände zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels entwirft. — Ihre Majestät die Kaiserin hat der Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde in Berlin eine Zuwendung von 2000 Mark gemacht, die zu Gunsten der neuen Anstalt in der Exerzierstraße verwendet, werden sollen. Die Spende der Kaiserin wurde durch ein Schreiben des Oberhofmeisters, des Grafen Mirbach, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der genannten Anstalt, Herrn! Moritz Mannheimer, angezeigt, der seinerseits dem Vorstand der jüdischen Gemeinde davon Kenntnis gab. — Herr Dr. M. H. Friedländer teilt in einem Aufsatze der „Neuzeit": Ueber das Talmudstudium in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts Folgendes aus seinem Leben mit: Ich hatte nämlich im Jahre 1862 auf meiner Reise nach Ungarn, an einem Sabbat im Monate Ellul in Komlos, einem Dorfe , nächst Nagy-Szöllös, Ugocsaer Com., wo eben der fromme Seelenhirte, der als; Oberhaupt der Chassidim jenes Comitats sich's zur Aufgabe gemacht, jährlich vor den hohen Feiertagen seinen Rabbinatssprengel in Begleitung tanzender Chassidim „Kacslabnikes” genannt zu bereisen, anwesend war, Gelegenheit einem sogenannten j. „Sholosch Sudos“ (dritte Mahlzeit), anzuwohnen. Bor allem zeichnete sich das , Bankett durch vorzügliche Theisfische, die nach polnischer Art zubereitet waren, aus. Es wurde bei dieser Gelegenheit nach Herzenslust gewespert und der Branntwein verfehlte nicht, die fromme Schaar in hohem Maße zu begeistern. Kaum hatte der „Rebbe" sein Eßbesteck aus den Händen gelegt um dadurch gleichsam das Signal zu geben, daß es Zeit sei nach den 8obörajiiu (Speiseresten des Rabbi) zu greifen, als schon die Bärte aller anwesenden Chassidim darin herumwühlten. Diese „Frommen" leckten teils aus der Hand zum Munde wie Gideons Leute, teils mit ' dem Mund aus dem Teller selbst Ein sonderbares Schauspiel! — Als ich einen Chassid, der neben mir saß, nach der Ursache dieser höchst eigentümlichen Verfahrungsweise fragte, wurde mir bedeutet, daß nach der kabbalistischen Lehre nur derjenige