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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-06-01 · Heft 6 (1.6.1901) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 6 (1.6.1901)
Date
1901-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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— 132 — von Seite des Kultusvorstandes zu erfreuen hat, und bittet zuletzt die „Union" und die Anwesenden, in ihren Kreisen für den Beitritt neuer Mitglieder thätig zu sein. Wonalsschau. Über die Poesie des Baumes in den althebräischen Schriften hielt Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwih einen interessanten Vortrag. In den einleitenden Worten führte der Redner aus, daß der Baum al-Z der hochragende Vertreter der Pflanzenwelt von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Sein aufstrebender Stamm, seine rauschende Blätterkrone, der süße Duft seiner Blüten, seine köstlichen Früchte, die Kühlung und Erquickung, die der Müde nach des Tages Last und Hitze in seinem Schatten findet, haben den Baum zu einem Gegenstände der Bewunderung und des Entzückens im Volksliede und in der Kunstpoesie gemacht. So liegt es denn ganz nahe, daß auch in der heiligen Schrift, die von dem göttlichen Hauche reiner, unverfälschter Poesie durchzogen ist, der Baum in seiner vom poetischen Lichtschimmer verklärten Gestalt auftritt und in Bild, Metapher und Gleichnis zur Illustration der prophetisch-religiösen Gedankenwelt, aber auch zur Veranschaulichung irdischer Begriffe verwendet wird. Der Redner entwarf in anziehender Weise eine Schilderung der Ceder, wie sie in der heiligen Schrift als Bild der Hoheit, Stärke, Majestät und Schönheit gebraucht wird. An der Hand von Propheten- und Psalmstellen wird uns an der mächtigen Erscheinung dieses Baumes gezeigt, wie ein wundersamer poetischer Glorienschein das Haupt dieses Königs der Pflanzenwelt umspielt. Nachdem die Cypresse als Genossin der Cede.r geschildert wurde, wendet sich der Vortrag zur Palme, die als Sinnbild der Fülle, des Glücks, des Sieges und des Friedens aufgefaßt wird. Es wird uns ein Einblick in die heilige Symbolik des Palmenbaums eröffnet, der in erhabener Schönheit und stiller Einsamkeit, in sich selbst geschlossen, von der dunklen Erde zum Himmel emporstrebt. Hierauf wird der Weinstock, wie er in der religiösen Bildersprache und in den sprichwörtlichen Wendungen in der heiligen Schrift auftritt, gewürdigt und in seiner Eigenschaft als Symbol des Gottesvolkes, einer hohen idealen Gemeinschaft, dargestellt. In dem Begriffe des Weinberges hinwiederum kommt das religiös-sittliche Werk auf Erden, das Gottesreich, zum Ausdruck. Wie der Weinberg der sorgsamsten Pflege und Wartung bedarf, wie man mit wachsamem Auge und nimmer ermüdendem Eifer alle schädigenden Einflüsse von ihm abhalten muß, so er mit seinen herrlichen Früchten Auge und Herz erfreuen soll, so kann das religiös-sittliche Werk, so können alle edlen menschenfreundlichen, gottgefälligen Bestrebungen erst dann gedeihen und feste Wurzel fassen, wenn man mit Entsagung, Selbstüberwindung und Opferfreudigkeit daran arbeitet, wenn man unter Bezwingung seiner Leidenschaften, unter Unterdrückung von Eitelkeit, Selbstsucht, Egoismus ohne

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