Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-06-01 · Heft 6 (1.6.1901) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 6 (1.6.1901)
Date
1901-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969906-2969912--6309-2975670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

----—rrms % 129 die Verlegung des alten Sinai in die Gegend von Jdumäa wurde bereits von dem verstorbenen Mr. Bakar Greene, der vor wenigen Jahren aus dem Leben schied, mit wissens'chaftsichen Gründen dargethan. Ja sogar Mr. Greene war nicht mehr originell, denn im gewissen Sinne hat schon Dr. Beke im Jahre 1843 vermuthet, der Sinai könnte in der Gegend von Petra gelegen sein. vr. Beke konnte jedoch nur wenige überzeugen. Anders war dies mit dem Buche von Mr. Greene? Obwohl es anonym erschien, erregten seine große Gelehrsamkeit und seine anziehende Darstellungsweise allgemeine Aufmerksamkeit. Eine zweite Ausgabe desselben war schon im Jahre 1883 nötig, welcher der Autor seinen Namen beifügte. So wurde es bekannt, daß derselbe niemand anderer war, als der Verfasser der Schrift „Der Auszug Israels ans Egypten", ein gelehrter Bibelkritiker, ein vollendeter Journalist, der als solcher Mitglied der Redaktion eines weit verbreiteten Tagblattes war, Doktor der Rechte und Medizin, kurz, ein hervorragender Mensch. Die gesummte Presse machte auf die Bedeutung der Greene'schen Untersuchungen aufmerksam, und dadurch erhielten dieselben eine seltene Verbreitung. Aber die Ereignisse auf literarischem Gebiete drängen heutzutage einander derart, daß ein Autor in einem Dutzend von Jahren oft schon der Vergessenheit anheimfällt, es sei denn, er wäre ein so fruchtbarer Schriftsteller, daß er selbst seinen Namen beständig dem Publikum in Erinnerung zu erhalten weiß. Es dürfte sich wohl der Mühe lohnen, die Hauptresultate der Greene'schen Theorie vorzuführen. Er suchte, mit Berufung auf Richter, Kap. 40, 16, zu beweisen, daß durch „Aam Suf" die heilige Schrift nichts anderes gemeint haben konnte, als den Golf von Akaba, da der Golf von Suez in einer unzweideutigen Stelle bei Jesaia „das egyptische Meer" genannt wird. Ferner machte er geltend, wiederum mit Bezug auf die hebräischen Dokumente selbst, daß der von den Kindern Israels eingeschlagene Weg der gewöhnliche Karawanenweg nach Edom war. Aber der interessanteste Teil seiner Theorie bezieht sich auf die Lage des Berges Sinqi. Er vermutete, daß dieser Berg mit dem Berge Hör oder Horeb in Jdumäa identisch sei. Viele zwingende Argumente wurden zu Gunsten dieser Ansicht yorgeführt. Es ward unter Anderem darauf hingewiesen, daß die Anspielungen auf die Theophanie in dem Segen Moses, in dem Liede Deborahs und in dem Gebete des Propheten Habakuk auf nichts anderes abzielen, als Sinai und Seir einander gleichzustellen, während die Parabel des Elia am Horeb derselben Anschauung Wahrscheinlichkeit verleiht. Eine ähnliche Identifikation kann zwischen dem Berge Paran und Meribah Kadesch nachgewiesen werden. In der That, alle sechs Orte — Sinai, Seir, Horeb, Hör, Paran und Kadesch oder Meribah Kadesch — scheinen mit einander identisch oder nahezu identisch zu sein. Philologische Erwägungen, obwohl dieselben notwendiger Weise mehr dem Zweifel unterliegen können, dienen dazu, diese Anschauung zu bestätigen. Horeb, welches Wort im Deuteronomium 6,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.