Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969912--6308-2975669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Und nun noch eins, m. Th.! So hellsehend und reichbeaugt unsere Zeit auch geworden sein mag: sie blicket nicht in das Licht — in ein fernes Reich von Licht und heiligem Glanz, — sondern sie starret damit in die Finsternis, in die Nacht, in den Tod. Das gestehen sie meist selber ein, die großen Seher unserer Zeit, das gehört mit zu ihrer Hellsicht, zu ihrem Alles-Sehen, zu ihrer Allwissenheit. Da giebt es keine gottgeschaffene, himmelentstammte Seele mehr, und kein ewiges Leben, da leben wir umsonst, und streben wir umsonst, elendiglich, da giebt es mehr keine Vergeltung, da haben die edelsten Menschen umsonst gelitten und den Tod sich oft als besseren Teil erwählt, da giebt es mehr kein seliges Wiedererwachen und Wiedersehen, da zerreißen die innigsten Bande des Herzens und der Seele für immer, da zerflattern die Kränze der Liebe und Treue spurlos in den Wind, da macht der Tod allem ein grausiges Ende. Wir aber wollen leben. Und eine untrügliche innere Stimme sagt uns: wir werden leben! „Der Gerechte wird aus seinem Glauben leben" (Hab. 2,4). Aus welchem Glauben? Nicht aus dem, der stets nur nach Wundern ausschaut, oder sich auf bereits geschaute Wunder aufbaut, sondern — auf das Wort Gottes. Aus einem starken, felsenfesten, allesüberwindenden, weil alles erhoffenden Glauben, gleich dem, den unser Vater Abraham uns gelehrt hat. „Einst schaue ich — durch Frömmigkeit — dein Angesicht, schwelge erwachend, im Anblick Deiner Herrlichkeit. (Ps. 17, 15) Amen. Professor Sayce über die Lage des Sinai. Der Berg Sinai ist, so überraschend das auch für die meisten scheinen mag, noch immer nicht in Bezug auf seine Oertlichkeit genau bestimmt, und was man darüber weiß, beruht meist auf Vermutungen der ersten christlichen Anachoreten. Professor Sayce hat nun mit Zuhilfenahme alttestamentlicher Aufzeichnungen und egyptischer Monumente klar und deutlich dargethan, daß der Berg unzweifelhaft nicht auf der sogenannten sinaitischen Halbinsel lag. Das „Jam Suf" des Exodus, welches allgemein mit „Rotes Meer" übersetzt wurde, identifiziert er mit dem Golf von Akaba, während der Sinai höchst wahrscheinlich an der Grenze von Midian und Edom liegt, mitten unter den Bergen von Seir und nicht weit von dem alten Heiligtum von Kadeschbarnea, dessen Lage erst kürzlich bei Ain Quadis sichergestellt wurde. Thatsächlich geht diese Entdeckung bis in das Jahr 1879 und weiter zurück, und die Glaubwürdigkeit derselben beruht nicht auf der Autorität des Di'. Sayce. Die Theorie der Identifikation des „Iam Suf" mit dem Golf von Akaba und