Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Nun, was haben sie denn schon alles gesehen? Ich will es gewiß nicht verkleinern, wäre das doch auch nicht blos ein thörichtes, sondern auch ein sündhaftes Beginnen; denn die Wissenschaft ist, ich brauche wohl kaum erst darauf hinzudeuten, ein heiliger, ein göttlicher Funke im Geiste des Menschen. Aber, alles in allem nur im letzten Grunde doch wohl nur folgendes: Anstatt vier Elemente, wie man einst von altersher annahm, ungemein viele Elemente, welche jedoch alle zumal wieder nur die verschiedenen Daseinsformen, die verschiedenen Attribute einer und derselben Substanz bilden. Das ist das Neueste, die äußerste und höchste Spitze, der sogenannte Monismus. Alles ist eins. Das ganze Universum mit allem was darin ist — und was nicht darin ist, das ist, das existiert eben überhaupt nicht, — also alles Seiende, auch das Denken und Gott selbst mit einbegriffen, ist eins, fließt alles aus der einen Substanz und wieder in sie zurück. Was nun aber diese eine Substanz eigentlich sei, wie sie heiße, und worin sie bestehe: das haben sie noch nicht gesehen. Noch weniger, woraus dieses Universum sich doch zu dem entwickelt hat, was es gegenwärtig ist, aus welcher Ursubstanz oder aus welchem Urstoff oder Uratom, wie man früher wohl sagte. Denn sie sprechen dabei doch immer von Entwicklung und Veränderung in der Vergangenheit, wozu sie ja aber auch die ungezählten Millionen von Jahren brauchen, denen gegenüber die übliche Schöpfungsgeschichte, und sei sie noch so deutungsfähig, einfach ihnen als ein Märchen erscheint. Ferner, wie so eine namenlose, jedenfalls aber materielle Substanz, so ein Universum, welches, wie sie sagen, nur sich selbst gehorcht, d. i. also nur in ihm selbst waltenden blinden, absolut zwecklosen Notwendigkeit, sich doch einmal selber — und sei es nun wieder von Billionen von Jahren — Gesetze, harmonische, vernünftige, zwecksetzende und eine ebenso unübertreffliche wie unübersteigliche Ordnung schaffende Gesetze sollte gegeben haben: auch das haben sie noch nicht gesehen und werden sie nie sehen. M. Th., achtet die Wissenschaft, aber laßt Euch nichts vormachen. Das Universum und Gott sind zwei. Einer aber ist nur Gott allein, Er, der da spricht: „Wenn nicht um nieines ewigen Bundes willen, würde ich die Gesetze des Himmels und der Erde nicht gemacht haben" (Jerem. 33, 2b). Und was das Substanzgesetz selbst lehrt — große, namhafte Denker und Naturforscher haben es zugegeben und geben es noch immer zu, — das ist: es giebt doch einen Punkt, wo das Sehen und Wissen aufhört und der Glaube beginnt. Oder kurzweg: InsnörabiMus! Und je mehr einer vor Euch den Mund voll nimmt, als ob er das Wort nicht haben wollte, desto mehr denket im Stillen mit der Schrift: „O redet doch nicht so viel Hochmut, nicht gehe Trotz aus Eurem Munde; denn ein Gott des Wissens ist doch nur der Ewige, vor ihm allein liegen klar die Dinge und ihre Ursachen" (I. Sam. 2, 3). * * *