Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T — 125 — und gleich darauf weiter: „„Damals sangen Moses und die Söhne Israels dieses Lied dem Ewigen."" An einer zweiten Stelle aber äußert sich ein anderer, jüngerer Lehrer über denselben Punkt wie folgt: „Nicht doch, nicht um ihres Glaubens willen. Denn wie hätten sie, nach allen den Wundern, die sie damals sahen, nicht glauben sollen? Sondern um des abrahamischen Glaubens willen, von dem früher schon geschrieben steht: „„Und er glaubte an den Ewigen, und es ward ihm zum Verdienste angerechyet."" (Mech. Beschalach nnd Schem r. C. 23.) Ihr habt ihn wohl verstanden, m. A., diesen andern, jüngeren Lehrer. Der Glaube, den unsere Vorfahren am roten Meere bekundet haben, erscheint ihm , nicht echt genug, stark genug, verdienstlich genug; denn dort haben sie die großen Wunder Gottes ja gesehen, leibhaftig mit ibren eignen Augen: ,wie hätten sie nicht glauben sollen?" Sondern der echte und rechte Glaube, der, um deß willen Israel den „heiligen Geist" und alle übrigen großen und ewigen Gnadenbeweise Gottes empfangen hat, das ist derjenige, den unser Vater Abraham einst bethätigte — zu seinem und zu unserem Verdienste und Heile — indem er nämlich Gott glaubte auf die bloße Verheißung hin und ohne, wie jene dort, bereits auch schon ’ die Erfüllung zu schauen. Und fürwahr, wir werden nicht lange zögern können, welcher von den beiden Ansichten wir uns anzuschließen haben. Denn seht, m. A., wenn so viele unter uns heutzutage nicht mehr ’ glauben wollen, nicht mehr glauben können, wie sie sich oft gerne einbilden möchten: i was mag da wohl der Grund davon sein? Nun eins vor allem gewiß nur, weil sie nicht sehen — weder ihn selbst, den ewigen Gott, in der vollen Herrlichkeit seines Wesens, noch auch seine Thaten, seine Wunder und Werke, seinen Lohn und seine Strafgerichte. Die uralte Frage: warum ergeht es dem,Gerechten — dem Frommen, Reinen und Tugendhaften — oft so schlecht, und dem Ungerechten — dem Gottlosen, Bösen und Lasterhaften — oft so gut, die drängt sich ihnen immer auf die Lippen, ohne daß sie je eine Antwort darauf fänden Deshalb zumal, so sagt schon Jeremia (7, 28), „ist der Glaube geschwunden und ihnen vom Munde abgeschnitten." | Die uralte Frage, ja wohl, aber in früheren Zeiten ließen sie mitunter doch noch ein wenig mit sich reden, wenn man ihnen z. B. sagte: „So habt doch nur etwas Geduld und harret auf das Ende; auch seid Ihr ja nicht allwissend — was wißt Ihr insonderheit, wie es im Innern, tief drinnen in der Seele des Menschen anssieht? — in der Seele des Gerechten und in der Seele des Ungerechten, — und es giebt doch auch noch ein anderes Wohlergehen, ein anderes Glück, als Geld und Gut und äußeren Glanz und äußere Ehren, man nennt es inneren Reichtum, innere Zufriedenheit und vor allem ein gutes, ein reines und ruhiges Gewissen! - Heute aber wollen sie auf so etwas in der Regel schon gar nicht mehr hören, überhaupt v nicht mehr hören, sondern nur sehen, alles gleich auch sehen, schwarz auf weiß mit ihren eigenen, groß und weit geöffneten Augen. Es soll sich vor ihnen der Himmel aufthun, allemal, so oft sie es wünschen, oder so oft sie's für nötig halten, i.