Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einmal durch Aufstellung konfessioneller Voraussetzungen für das Richteramt ofstziell die Meinung sanktioniert, daß das Glaubensbekenntnis des Urteilenden beteiligt sei bei der Entscheidung darüber, was Recht und Unrecht ist, beteiligt sei bei der Auslegung der Gesetze, dann raubt er selbst seinen Richter die Objektivität ihres Urteils, dann öffnet er dem reliligiöse» Fanatismus den Eingang in die Justiz, dann trägt er selbst die Schuld, wenn an Stelle ruhiger, streng rechtlicher Erwägung subjektive Gefühle die Gerichtsentscheidungen beherrschen. Mit dem Niedergange der Gerechtigkeit aber schwanken die Säulen des Staates. Möge unserm deutschen Vaterland solches Unglück erspart bleiben! Möge aber auch jeder an seinem Teile dazu beitragen, es zu verhüten, und darum alles vermeiden, was den Angriffen auf die Integrität unsres Richterstandes den Boden ebnen kann! Ist es doch leider fast schon guter Ton in Deutschland geworden, sich als Skeptiker zu bekennen gegenüber der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit unsrer Judikatur, und aus jedem Urteil, welches den philosophischen, politischen oder konfessionellen Erwartungen Einzelner nicht entspricht, den Anlaß zu entnehmen, um unsre Rechtsprechung als dem Rechtsbewußlsein des Volkes entfremdet, als unrichtig und ungerecht zu brandmarken. Noch ist dazu in Wahrheit kein Anlaß gegeben. Noch müssen und können unsre Richter bei Antritt ihres Amtes schwören, daß sie „nirgends aus Haß, Gunst, Furcht, Rücksicht auf die Person oder aus ähnlichen Ursachen handeln, sondern bei allen Richteramtshandlungen nur Gott, die Gesetze, die Gerechtigkeit und Wahrheit vor Augen haben" werden. Und so lange das der Fall ist, können wir ruhig unser Haupt in den Schoß der Justiz legen. Zittern aber müssen wir davor, dies zu thun, wenn es wirklich, was Gott verhüten wolle, in Deutschland kommen sollte zu einer konfessionellen Färbung der Justiz. Prof. Dr. Birkmeyer (Deutsche Revue). Glauben und Wissen. Predigt zur Seelenfeier am VIH. Passa, gehalten von vr. Moritz Löwy, Oberrabiner in Temesvär.*) „Oeffnet die Thore, auf das einziehe die gerechte Nation, so den Glauben hütet." (Jasaja 26, 2.) Meine andächtigen Zuhörer! Unsere alten Weisen lehren an einer Stelle des Midrasch: „Groß ist der Glaube: denn um ihres Glaubens willen ruhte auf den Söhnen Israels der heilige Geist, und sangen sie jenes herrliche prophetische Lied, wie geschrieben steht: „„Und sie glaubten an den Ewigen und an Moses seinen Knecht,"" *) Aus Anlaß einer im dortigen „Freien Lyceum" gehaltenen und in den Lokalblättern vielbesprochenen materialistischen Vorlesung.