Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 erhalten. Als Vorlage zum Text diente dem Componisten das gleichnamige Volksdrama „Le juif polonais“ von Emile Erckmann und Alexander Chatrian. Dasselbe wurde im Jahre 1869 in Paris am Theater Cluny nicht weniger als hundertmal mit unendlichem Beifall aufgeführt. Der interessante Inhalt ist folgender: An einem stürmischen Winterabend wird uns ein elsäßischer Wirt vorgeführt, der durch Unglücksfälle aller Art verarmt und ruinirt wurde und für den nächsten Tag der Pfändung verfallen ist. Ein polnischer Jude klopft an seine Thüre. Es schneit, es stürmt und der Sohn des großen verlorenen Vaterlandes sucht Schutz für sich und sein Pferd, um, nachdem er sich durch ein Ruhestündchen gestärkt, weiter zu reisen. Der Pole trägt einen wohlgefüllten Geldbeutel um seinen Leib geschnallt, und dem verzweifelten Wirt ruft eine innere Stimme zu: „Töte ihn, bestiehl ihn! Ende gut, Alles gut, es giebt keine Moral, es giebt keinen Gott. Jetzt handelt es sich darum, dein Haus, dein Eigentum, deine Familie zu retten." Das regt ein wenig sein Blut auf. Dieser Jude ist ja nur ein Pole, dieser Pole ist ja nur ein Jude! Der Wirt thut, was ihm seine innere Stimme befiehlt. Er tötet den Juden, plündert ihn aus und verbrennt seinen Körper. Seit dieser Dezembernacht gelingt dem Mörder alles, was er unternimmt. Er ist reich, geachtet, er wird Bürgermeister, hat ein schönes Vermögen und eine schöne Tochter und hörte er nicht zuweilen in seinen Ohren die Schellen des Pferdes klingen, welches in jener stürmischen Dezembernacht den polnischen Juden zu ihm gebracht, er hielte sich für keinen Mörder. Aber Vorsicht vor allen Dingen. Seine Tochter muß den Brigadier der Gendarmen heiraten, denn wenn er die Gendarmerie für sich hat, braucht er nichts mehr zu fürchten. Und zufällig liebt seine Tochter Annette den Brigadier und der Brigadier liebt sie. Die Hochzeit vollzieht sich und als Mitgift erhält der Gendarm einen Teil des Raubes. In der Hochzeitsnacht aber hat Mathias, der Wirt, einen furchtbaren Traum. Er sieht den polnischen Juden noch einmal kommen, er tötet ihn zum zweiten Male, aber das Gericht ereilt ihn, er wird festgenommen, verurteilt, gerichtet und während dieses Traumes, dieser Vision stirbt er, getötet durch die geheimnisvolle und unnachsichtige Gerechtigkeit Gottes. — Am 11. März feierte in Grsord der in Bitsch in Ungarn geborene berühmte jüdische Gelehrte Dr. Adolf Neubauer seinen 70. Geburtstag. Nebst zahlreichen in allen erdenklichen Zeitungen und Zeitschriften zerstreuten Einzelartikeln hat Dr. Neubauer eine größere Anzahl Schriften teils selbst verfaßt, teils nach seltenen Manuskripten edirt und mit wichtigen wissenschaftlichen Notizen versehen. Sein erstes großes Werk, durch das Neubauer der weiten Gelehrtenwelt bekannt wurde, war seine 1868 erschienene Geographie des Talmud, welche ihrem Verfasser auch den Ruf als Hilfsbibliothekar an der Bodleiana zu Oxford verschafft hat. Als solcher verfaßte er in 18jähriger emsiger Thätigkeit den hebräischen Katalog dieser weltberühmten großen Büchersammlung. In dem von Renan und anderen Gelehrten herausgegebenen große Sammelwerk „L’histoire litteraire de la France” schrieb