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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-05-01 · Heft 5 (1.5.1901) · p. Seite 115

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 5 (1.5.1901)
Date
1901-05-01
Page
Seite 115 (sequence 19)
Language
German
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.ir. : - - - - - - - ■ / ■ .. — 115 — uns über die geeigneten Mittel der Verteidigung sowie über die Strömungen des Judentums am besten durch die Lehren unserer Geschichte Klarheit verschaffen. Namentlich seien die Verhältnisse der Juden im alten Alexandrien, der ersten jüdischen Großgemeinde außerhalb Palästinas für uns lehrreich, wenn auch nicht in jeder Beziehung mustergiltig. In Egypten soll unter den ptolomäischen Königen die jüdische Bevölkerung etwa eine Million betragen haben. Die Juden besaßen die volle Gleichberechtigung, oder, wie Josephus berichtet, „Gleichwertigkeit" (Jsotimia) mit den herrschenden Hellenen. Faktisch haben sie mitunter das Übergewicht besessen; zeitweise wurden ihnen die höchsten Ämter anvertraut und, was besonders merkwürdig ist, die verläßlichsten Führer und Landesverteidiger waren zu mancher Zeit, wie unter Ptolomäus VI. Philometor und der Königin Kleopatra, aus Palästina eingewanderte Juden. Wir wissen dies nicht nur aus Darstellungen des Flavius Josephus, sondern auch aus Strabo und neuerdings aus aufgefundenen alten Inschriften. Wir besitzen eine altägyptische Inschrift, in der ein jüdischer Hauptmann der Gendarmerie zur Zeit eines Königs Ptolomäus geehrt wird; eine Inschrift auf einer weißen Marmorplatte wurde erst vor kurzem von einem deutschen Altertumsforscher von Kairo nach Berlin gebracht, dieselbe ist als „Chelkias-Stein" bekannt und berichtet von einem goldenen Kranz, der dem jüdischen General Chelkias unter der Herrschaft der Königin Kleopatra für seine Verdienste im Kriege gegen Ptolomäus Lathuros dargereicht wurde. Ein .antisemitischer Philologe, Hugo Willrich, der die Nachrichten des Josephus über die hohe Stellung der Juden verdächtigt, muß im „Archiv für Papyrusforschung" zugeben, daß die Angabrn des jüdischen Historikers und Apologeten von der aufgefundenen Inschrift ergänzt und bestätigt werden. Chelkias und sein Bruder Ananias, beide Feldherrn der Kleopatra, waren Söhne des zur Zeit der Verfolgungen unter Antiochus EpiphaneS, also noch vor der makkabäischen Erhebung, nach Ägypten geflüchteten Priesters Omas, der den berühmten Omas-Tempel in Leontopolis erbaut, welcher in der Mischna unter dem Namen Beth-Chonjo erwähnt wird. Redner bespricht nun die religiösen Verhältnisse und die Art des Gottesdienstes, wie er sich unter dem Einflüsse der hellenischen Bildung besonders in Alexandrien entwickelte, wobei er die Entstehung, den Wert und die Bedeutung der Septuaginta darstellt, der ersten Bibelübersetzung, durch welche unsere heilige Schrift für alle Zeiten in die Weltliteratur eingeführt wurde. Der Vortragende zitirt die im Talmud bezüglich der 70 Interpreten vorkommenden Legenden, sowie die von Aristeas und Josephus gegebenen Nachrichten und spricht die Ansicht aus, daß die Übersetzung des Pentateuch unter Ptolomäus Philadelphus im 3. vorchristlichen Jahrhundert entstanden sei und die 70 Ältesten wahrscheinlich eine Art Repräsentanz der jüdischen Gemeinde in Alexandrien waren» unter deren Ägide die Übersetzung zu Stande kam, da wir wissen» daß in der jüdischen Basilika, der großen Hauptsynagoge Alexandriens, siebzig vergoldete Sitze für die Ältesten reservirt waren. Herr Dr. Kaminka besprach hierauf de» gewal-

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