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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-05-01 · Heft 5 (1.5.1901) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 5 (1.5.1901)
Date
1901-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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114 — oder wie er heute zumeist genannt wird, der alte Tempel — feierlich eingeweiht wurde. Es war damals der 9. April 1826, an einem Sonntag, an dem Kaiser Franz nach einer lebensgefährlichen Krankheit — so berichtet nach L. A. Frankl die damalige „Wiener Modezeitung" — die erste Ausfahrt machte, da fand um 7 Uhr Abends die Einweihung des neuerbanten israelitischen Tempels statt und hatte sich eine gewählte Versammlung in den heiligen Räumen eingefunden. Als nun auch die zwölf Vorsteher ihre Sitze unmittetbare an den inneren Schranken der Estrade eingenommen hatten, erschien, von Ober-Kantor Sulzer begleitet, der Prediger Isaak Noa Mannheimer. Dieser stieg die Stufen hinan, um, vor dem Allerhei- .lichsten tief geneigt, mit lauter Stimme in hebräischer Sprache das Weihegebet zu sprechen. Als er geendet, stimmte Herr Sulzer den Psalm 84 an, in welchen der Chor abwechselnd mit Gesang und Instrumentalmusik einfiel. Feierlich und rührend zugleich erklangen die Worte: „Auch der Vogel hat sein Haus und die Schwalbe hat ihr Nest, wohin sie bringen ihre Jungen; das sind uns deine Altäre, Gott Zebaoth!" Die Harfen-Akkorde, die dazwischen ertönten, Klänge, gleichsam aus dem fernen Lände Israels und aus den Tagen seines Königs David herübergekommen, waren von unbeschreiblicher Wirkung. Mit dem Inhalt der Hymne stimmte die Rede, die vom Prediger gehalten wurde. Sie behandelte die Frage: „Was heiligt das Gotteshaus?" Hierauf verließen die zwölf Vorsteher den Tempel und -kamen, jeder mit einer herrlich geschmückten Gesetzesrolle in den Armen, von Fackelträgern begleitet, zurück. — Während des Zuges ertönte der Psalm 24, gleichsam eine erhabene Bewillkommnung der göttlichen Majestät, die sich herabließ, um in diese neuerbaute Stätte einzuziehen. Während der Worte: „Erhebet Ihr Thore Euer Haupt! Öffnet Euch Pforten der Welt, daß einziehe der König der Ehre!" wurde mittelst einer Vorrichtung der Vorhang des Allerheiligsten weggeschoben, die Thürflügel sprangen auf und das Innerste wurde sichtbar — eine Nische, deren Hauptwand auf himmelblauem Grunde silberne Sternchen zeigte und in die die heiligen Gesetzrollen dann feierlich hineingelegt wurden. Eine derselben nahm jetzt der Prediger auf den Arm und sprach in deutscher Zunge, in Form eines Gebetes, den Segen. Dieser war gerade an diesem Tage, den die allgemeine Freude über die Wiedergenesung Sr. Majestät verklärte, von erschütternder Wirkung. Er galt dem erhabenen Landesvater und Herrn, dem Kaiser Franz I., der Kaiserin Caroline Auguste, dem Kronprinzen Erbherzog Ferdinand und allen Mitgliedern des allerhöchsten Kaiserstammes. Er galt auch den Ministern, den Behörden, dem geliebten Baterlande, seinen Bewohnern und „Allen, wes Volkes sie seien, die den Namen des Herrn verehren". Eine Hymne, von Meister Sulzer und seinem trefflich geschulten Chor vorgetragen, beschloß um halb neun Uhr abends die herzerhebende Feierlichkeit — Über „Philo und das hellenistische Judentum" hielt Herr Dr. Kaminka in der isr. Union in Wien einen Vortrag. Er knüpfte an die Mitteilungen des Präsidenten über die Abwrhrthätigkeit an und führte zunächst aus, daß wir

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