Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Preis und fand besonders durch ein Trio für Pianoforte, Violine und Biolincell die Anerkennung der Fachgenosfen. Gegenwärtig fetzt der Componist, der auch als ausübender Künstler thätig ist, seine Compositionsstudien in der akademischen Meisterschule für musikalische Composition unter Professor Dr. Max Bruch fort. — In Dann starb Herr Rabbiner Dr. Falk Eohn, der seine ganze Kraft und sein ganzes Können in den Dienst der jüdischen Gemeinde daselbst gestellt hat. — Man berichtet: Die bilderrreiche Sprache gewisser Antisemitenführer beginnt Früchte zu tragen. Jüngst drang der Ökonom Wiczick aus Proschewiz, der Sohn wohlhabender Gärtnersleute, angeheitert, aber keineswegs sinnlos betrunken, in das Lokal des jüdischen Schankwirts Adolf Gutmann in einer Vorstadt Ratibors. Unter wüsten antisemitischen Drohungen begann er erregt, das ganze Lokal, einen Raum nach dem andern, zu demolieren. Er zerschnitt das Billardtuch, zerbrach die Queues, die Gasapparate, die Wandbilder, er zertrümmerte alle Fenster, riß die Gardinen herunter, zerfetzte die Tapeten und zerschmetterte die Holzfüllnng von drei großen Thüren. Dann ging er, nachdem er in drei Räumen gewütet, mit dem Rufe: „Die Juden müssen raus! Die Juden sind nur Bürger zweiter Klasse" auf den Gastwirt und seine Frau mit erhobener Faust los. Als nun der christliche Fleischermeister Kostka seinem Nachbar Gutmann zu Hülfe eilte, erhielt er von dem rabiaten Antisemiten, der, in seiner blinden Wut um sich schlagend, glaubte, daß es Gutmann sei, mit einem erst neu gekauften Dolchmesser einen Stich in die Rippen, daß er sofort blutüberströmt zusammenbrach. Nur mit Mühe konnte der Messerheld von sechs Leuten überwältigt, in Fesseln gelegt und in das Polizeigefängnis gebracht werden, von wo seine Überführung in das Ratiborer Gerichtsgefängnis erfolgte. Wie die Nachbarn erzählen, hat der sonst ruhige und bescheidene Mensch in letzter Zeit tagelang Bücher und antisemitische Zeitungen gelesen, deren hetzender Inhalt zweifellos seinen Sinn erregten und verwirrten. Kostka wurde schwer verletzt in seine Wohnung gebracht. — Dem siebten Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" in Frankfurt a. M. entnehmen wir: Die Zahl der sich anmeldenden Schülerinnen wächst fortwährend, so daß die Prüfung der Kandidatinnen auf ihre Tauglichkeit dem Vorstande eine große Verantwortung auferlegt. Im Laufe des Jahres wurden drei bisherige Schülerinnen auf Grund des von den ausbildenden Ärzten ausgestellten Reifezeugnisses vom Vorstand in die Zahl der Bereinsschwestern ausgenommen Durch die Zahl der neuaufgenommenen Schwestern ist die Zahl der Vereinsschwestern auf 22 gestiegen. Ihre Thätigkeit ist außer der Privat- und Armenpflege in Frankfurt a. M. und in Ausnahmefällen auch auswärts der Hospitalpflege im Israelitischen Gemeindehospital und im Gumpertz'schen Siechenhause, sowie im Krankenhause der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg gewidmet. Auf Wunsch der Verwaltung des letzteren wurde im Laufe des Jahres noch eine dritte Schwester demselben überlassen. Hingegen war man außer Stande, den Wünschen der Gemeinden von Pforzheim, Mannheim und Heilbronn