Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1.10 meinten die Leute der Franzosen, daß sie dort lägen, weil sie die ganze Nacht gegangen sind und daß sie Spione seien, und schossen daher mit Rohren nämlich Flinten. Einer von ihnen, Namens Perez Kazzaw aus Libna wurde verwundet; die anderen zwei Juden aber schrieen bis die Franzosen kamen und sie sahen, dann nahmen sie ein Brett und trugen ihn in die heilige Gemeinde Prag; abends starb er und wurde Sonntags begraben. Laß ganz Israel das Leben! Zu dieser Zeit sahen wir auf den Dachböden alle Nacht die Schüsse der sogenannten Bomben, die wie Sterne aussahen, faktisch bis ins Herz des Himmels stiegen und dann zur Erde ans die Schanzen fielen. Dadurch wurden jede Nacht viele Soldaten erschlagen, einigen wurden die Füße, die Hände oder andere Glieder zerbrochen. Wir aber statteten dem Heiligen, gelobt sei er, Preis und Dank ab, da wir sahen, daß diese Schüsse nur bis in die Hradschin-Straße gelangten, einige fielen auch auf Kleinseite, aber ohne großen Schaden. (Fortsetzung folgt.) Aus SonnenlHaks Iugendjaßren. Vor Jahren kam ein blutarmer Schauspieler nach Temesvar, um an der dortigen Bühne sein Glück zu versuchen. Er stellte sich dem Leiter des Thespiskarrens vor und erklärte demselben, daß er Alles spielen könne. Der Direktor musterte den stattlichen Mann und da er nichts dabei zu riskiren glaubte, sagte er: „Nun gut, ich möchte gern den Don Carlos aufführen, das Stück könnte mir einige Gulden eintragen. Wollen Sie den Don Carlos spielen?" Mit Freuden schlug der wandernde Mann ein, doch zuckte er schmerzlich zusammen als der Direktor mitteilte, er habe kein Kostüm, das müße sich der Gast selbt schaffen. Voll Sorgen schlich der angehende Künstler davon. Woher sollte er ein Don Carlos-Kostüm nehmen? Seine ganze Habe bestand in einem fadenscheinigen Fracke, und den unumgänglich notwendigen Reiterstiefeln. Im Frack konnte er doch nicht den Don Carlos spielen! Und er hätte sich so gerne den Theaterfreunden von Temesvar im glänzenden Aufzuge gezeigt! Von diesem Gedanken gequält, strich er durch die Straßen und blieb plötzlich vor einem Tuchladen stehen, dessen Auslagekasten die vielfarbigsten Tücher zeigten. Da wäre der nötige Stoff für den Don Carlos zu finden gewesen. Und dies denkend, trat er fast unbewußt in den Laden und schreckte durch seinen dröhnenden Heldentritt einen Commis, der hinter dem „Buddel" saß, aus seiner Lectüre auf. „Womit kann ich dienen", redete den Eintretenden der Commis an. Der Mann, um einen Anknüpfungspunkt des Gespräches verlegen, fiel ein: „Ich habe Sie in Ihrer Lectüre gestört, was haben Sie Schönes gelesen?" „Ach nichts," erwiederte der Mann, „den Don Carlos, der Direktor hat mir, weil er weiß, daß ich ein