Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Am 9 Ab (9. August) als wir in der Synagoge waren, nahezu als man mit den Klagegebeten zu Ende war, hörten >vir ein sehr großes Geräusch von P'feil- und Kanonenschüssen, von anderen solchen Waffen und Schwertern, und solche Schüsse hörte man in der ganzen Stadt, daß die Erde erdröhnte und die Himmel zerflossen. Wir waren fortwährend in Angst und Schrecken, — „der das Blut in die Höhe treibt" — wegen des gewaltigen Kannonendonners und der „Stimmen, die da seufzten und jammerten." Am 14. Ab (14. August) verordnete de Broglie, daß jeder Bewohner der Stadt, wer er auch immer sei, innerhalb dreier Tage sein Silber von klein bis groß in das Haus, wo man Münzen verfertigte, bringe. Viele Bewohner der Stadt, nämlich Bürger, schrieen während der Verlesung dieser Anordnung in ihrem Rathause: „Wer hat solches gehört und gesehen? Bis jetzt haben wir faktisch all das Unsere, bares Geld in großer Menge und nun sollen wir das Geld, das wir durch mehrhundertjährige Erbschaft besitzen, hergeben? Besser, daß sie uns umbringen, als das wir dieses Silber geben. Wir geben nichts! Wenn sie aber einen von uns mit dem Tode bestrafen, dann werden wir sehen, was nachher sein wird. Als der Herr Rat Scherschick, der bei der Verlesung anwesend war, sah, das die Stadtleute da erbost aufschrieen, da war er „der Kluge, der die Zukunft voraussieht" und sprach: „Meine Kinder! geht nach Hause, ich werde in Verwendung für Euch zu diesem französischen Befehlshaber gehen." Tags darauf rief man aus, daß in dem gestrigen Befehle nicht das kleine Silber der Stadtbewohner gemeint war, sondern das Silber, das auf Hoftafeln kommen kann, große Geschirre von Herrschaften und Angesehenen. Und so fiel dieses Verhängnis weg. Am 16. Menaichen (16. August) rief man ein Fasten auf morgen aus für alle von 15—60 Zähren, wir machten einen „kleinen Versöhnungstag" und häuften große Gebete. In derselben Nacht zerstörten und verheerten sie. einen Palast auf dem Weinberge, der „Czerninhaus" hieß, mit Pulver. Uns überfiel ein großer Schrecken, da wir nicht wußten, was das für ein Feuer und Getöse sei, bis aber der Morgen aufgestiegen war, sahen wir die Ruine. Am 19. d. M. (19. August) rannten die Franzosen hinaus aus der Stadt gegen das österreichische Heer und der Kampf zwischen ihnen war groß. Dasselbe thaten sie zu wiederholten Malen bei Tage und bei Nacht, da wir den Wiederhall des Kriegslärmes in der Stadt vernahmen, und jedesmal fiel beiderseits eine große Menge und man brachte Hunderte mit Stößen und Wunden in die Stadt. An demselben Tage kam das österreichische Heer in die Dorfgemeinde Libna, es entstand ein Kampf zwischen ihnen. Bei den gegenseitigen Kanonenschüssen fand auch eine Jungfrau den Tod, man begrub sie, und später zogen die meisten Angehörigen der dortigen Gemeinde in die heilige Gemeinde Prag. Am heiligen Sabatte Abschnitt Mattot U-Maß'a gingen drei Gemeindemitglieder aus Lihna nach Prag vor Tagesanbruch. Als sie in die Nähe des großen Gebäudes „Humpoletz" kamen.