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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-05-01 · Heft 5 (1.5.1901) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 5 (1.5.1901)
Date
1901-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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— 108 — gebe, gaben sie unter großen Klagen die hunderttautend Gulden her und jeder nahm einen auf Dresden lautenden Wechsel für seinen Anteil. Später verkauften viele ihre Wechsel mit 20 und 25"/« Verlust an die Juden von Prag, nur große Geldmänner warteten und schickten durch Kaufleute mehrere Monate hernach die Wechsel nach Dresden und Leipzig, wo ihnen mit geringem Abzug das Geld ausbezahlt wurde. Montag, den 21. Tamus verordnete der französische Befehlshaber, daß die Gemeindevorsteher täglich hundert Juden zu den Schanzarbeiten schicken, abgesehen von den vierzig Gulden, die man auf seinen Befehl als Beisteuer für die Kosten dieser Arbeit immer regelmäßig hergeben mußte. Donnerstag, den 24. d. M. fiel von einem Berge, den die Juden bei den Schanzen aufgeführt hatten, ein großes Stück auf die Erde herab, traf den Leb Absatz mach er und zerschmetterte ihm den Schädel, daß er starb und zwar wurde er so zerquetscht, daß seine Gestalt unkenntlich war. Die Juden sammt den militärischen Wachleuten trugen ihn in eine Herberge und begruben ihn am selben Tage in Ehren. Leben bleibe bei ganz Israel! Am 29. Tamus (31. Juli 1742) verordnete Marschall de Broglie, daß man ihm in einem wahrheitsgetreu abgefaßten und versiegelten Verzeichnisse die Summe und Anzahl aller unserer Gemeinde-Angehörigen von Klein bis Groß angebe, ohne daß man wußte weßwegen und wozu. Montag, den 3. Ab (3. August) verordnete der genannte Marschall, daß innerhalb 24 Stunden 6000 Juden außerhalb der Stadt gehen; wenn sie aber nicht gehen werden, so werde er tausend Reiter in die Judengasse schicken, daß sie behufs Vollmachung dieser Zahl, jeden, der ihnen unter die Hand kommt, auftreiben und aus der Stadt jagen. Da gabs Jammer, Trauer, Klage in unserer Gemeinde; man häufte Bußgesänge und Gebete in den Synagogen, wie auf dem Gottesacker auf den Gräbern der Frommen; die Vorsteher setzten sich zusammen, um an die französischen Befehlshaber bezwingende, flehentliche Worte zu schreiben und gingen mit den Juden von Mez zu diesen Befehlhabern mit schweren, bittern Klagen. „Wie haben wir uns so schwer versündigt und was hebt so des Zornes. Glut, daß sechstausend Mann aus Israel aus der Stadt gehen sollen, die keinen Weg haben sich rechts oder links zu wenden, denn draußen wütet das Todesschwert der österreichischen Heere, die dort sind, so daß sie zwischen den Stadtmauern von Hunger und Kanonenschüssen getroffen, sterben? Ist aber ihre Absicht, eine Anzahl Söhne Israels auszujagen, damit derer, die da das Brod des Kuinmers essen, weniger seien, o so sind wir ja doch Kinder eines Vaters, Kinder wohlthätigen Sinnes! Wir wollen das Brot mit unseren Armen teilen, daß es Euch unseretwegen an Brot nicht fehle." Durch die Hilfe Gottes und durch seine große Gnade verglichen sie sich mit dem Marschall de Broglie dahin, daß sie ihm Futter und Stroh für die Pferde, das damals schweres Geld kostete, geben werden; sie gaben ihm auch solches im Werte von etwa zehntausend Gulden und so hatte es mit dieser Verordnung sein Ende.

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