Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 2. Es handelt sich nach allem, was über das Leben Winters bekannt geworden ist, nicht um einen eigentlichen Mord, sondern um einen in leidenschaftlicher Erregung verübten Totschlag. 3. Die Zerstückelung der Leiche erklärt sich aus der Absicht, das corpus delicti unauffällig von dem Orte der That zu entfernen. 4. Auch nicht das geringste Anzeichen ist vorhanden, welches zu dem Schluffe berechtigt, das der Totschläger sich etwas von dem Blute Winters aneignen wollte. Daß der Rumpf im Vergleich mit anderen Leichen blutleer erschien, erklärt sich leicht: waren doch zu dem vorhin erwähnten Zwecke Kopf, Arme und Beine abgetrennt worden, so daß fünf weit klaffende Oeffnungen entstanden, und hat man doch den Rumps im Wasser gefunden. Meine Herren! Wir alle Christen und Juden, Orthodoxe und Freigesinnte, Konservative und Liberale sind einig in dem Wunsche: Möge der, dessen am 11. März 1900 in Könitz verübte Blutthat soviel Haß und leidenschaftliche Erregung hervorgerufen hat, durch sein Gewissen sich getrieben fühlen und sich selbst anzuzeigen, oder möge er bald entdeckt werden! Einig sind wir auch in der Ueberzeugnng: Die That, mag sie durch einen Juden oder Christen verübt worden sein, steht in keiner Beziehung zu der Religion, der der Thäter angehört. Iosephus, -er jüdische Kistoriker. (Schluß). Die Juden waren, wie schon erwähnt, im Altertumn vielen Anfechtungen ausgesetzt, die sich aus ihrem besonderen Verhältnis zu den andern Menschen erklären. In allen Ländern verbreitet, bildeten sie überall eigene Gemeinden, die sich durch ihre strengen religiösen Satzungen scharf absonderten. Besonders zahlreich waren sie in Ägypten und Alexandrien, wo sie unter eigenen Beamten einen besonderen Stadtteil bewohnten. Auf Grund einer Bewilligung Alexanders des Großen und seiner Nachfolger verlangten sie gleiches Bürgerrecht und gerieten darüber mit den Bürgern makedonischer und griechischer Herkunft in heftige Streitigkeiten, aus denen ein bitterer Haß erwuchs. In der letzten Zeit war 'es namentlich unter Kaiser Gaius (39 n. Chr) und beim Ausbruch des Aufstandes in Judäa (66 n Chr.) zu blutigen Tumulten gekommen. Von Alexandrien gingen nun auch die litterarischen Angriffe gegen die Juden aus, die gleichsam ein Wiederschein dieses gegenseitigen Hasses sind. Man schrieb ihnen eine schimpfliche Herkunft zu, dunkel und wenig ehrenvoll sei ihre Geschichte, keiner der alten namhaften Historiker habe ihrer Erwähnung gethan. Durch ihre Gesetze würden sie zum Haß gegen die andern Menschen, zur Verachtung gegen die Götter und zu abscheulichen Zeremonien angeleitet. Diese Anschuldigung zu beseitigen hatte die Archäologie des