Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 in Israel müssen sich mit dem guten Willen begnügen. Wir bleiben ja stets nur Anfänger im Guten." Was sagen Sie nun zu den Protokollen der jüngsten Rabbinerversammlung? Wollen Sie der zweiten in Frankfurt nicht auch beiwohnen? P. Solche Männer wie Euer Hochwürden sollten in der Synode nicht fehlen. Israel bedarf nicht nur Männer der Wissenschaft sondern auch Männer der Wahrheit, > die den Mut haben der Wahrheit ein Opfer zu bringen. Ignatz Einhorn, der nachmalige Staatssekretär (gest. 2. November 1875), l schreibt aus Waag-Neustadt: „Durch die geläuterten Begriffe von Recht und Un- - recht ist es heute dahin gekommen, daß sich unsere frühere Bitte um Gleichstellung jetzt in eine Rechtsforderung umgewandelt hat und wir brauchen nicht mehr schüchtern und furchtsam außer den Gerichtsschranken zu stehen um abzuwarten ob man die P alten Fesseln brechen oder neue Eisen glühen und uns abermals als Sklaven und! Unterdrückte brandmarken wolle.-Wir treten selbst vor die Tribüne hin, k untersuchen gemeinschaftlich mit unserem Herrscher die Akten des Rechtes und der s Menschlichkeit, fordern unser Recht, bitten aber nicht um eine Gnade. Wir wollen I— sagen wir mit Recht zu den Christen — selbst sehen ob eure Religion, die doch eine Religion der Liebe sein will, euch Haß gegen Andersgläubige predigt, ob sie, die doch Gerechtigkeit und Menschlichkeit gegen jedermann fordert euch die Vor behaltung dieser Güter Hunderten und tausenden von Juden gebietet, ob sie, „deren Reich doch nicht von der Erde ist" verlangt, daß an ihrer Befolgung allein bürgerliche und menschliche Vorrechte geknüpft sein sollen. Wir wollen sehen, ob diese | euch verbietet uns zu emancipieren, Ihr also uns unsere Rechte nicht geben könnt, f oder ob ihr das nicht wollt. — Und ich bin nach dem Vorausgeschickten viel zu \ kurzsichtig, um einsehen zu können, was darin etwa Ungereimtes läge, wenn ein | jüdischer Theologe behaupte: daß so wenig das Allgemeinmenschliche mit dem f Reinreligiösen des Judentums streitet, es ebenso wenig mit dem Geiste der j christlichen Religion in Wiederspruch geraten könne, deren Wesen eben in der reinsten | und allgemeinsten Menschenliebe sich bekundet.-Sie werden-aus f dem Gesagten auch leicht ersehen, daß hier unmöglich die Frage gestellt werden l könne, welches Christentum ob das Urchristentum, das mittelalterliche, das heutige, p das katholische, das evangelische oder welches Christentum sonst man meine, wenn '' man sagt: das Wesen der christlichen Religion heische allgemeine Liebe nicht nur für Christen, allgemeines Recht aber nicht nur für die Schafe der alleinseligmachenden Kirche, allgemeine Gleichheit aber nicht Bevorzugung einer Partei, weil sie etwa anderes glaubt; wenn man sagt: der Geist des inneren Wesen der christlichen Religion, das sich wohl an Sekten, Spaltungen und kirchliche Abweichungen nicht wendet und auch von dergleichen äußerlichen Verschiedenheiten nicht berührt werden könne — unsere Unterdrückung, Zurücksetzung und Verachtung verlangen und daß — will man diesen Geist der Religion in seiner Reinheit befreit von allen finsteren Zusätzen, Entstellungen und Verunstaltungen Herstellen und realisieren man uns befreien als