Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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!f . -yyri Die Othodoxie sieht an der Spitze der Bewegung Männer, die von der jüdischen Gesetzlichkeit nichts wissen, teilweise auch nichts wissen wollen, und darum, ganz besonders darum, muß der Zionismus bekämpft werden, und sie stellen sich damit auf Seiten ihrer eigenen Gegner, obgleich diese nach ihren Begriffen die 1 größten „Poschim", d. i. Gesetzesübertreter, sind. Doch dieser Widerspruch ist nicht j einmal der schlimmste Vorwurf, den man der Orthodoxie machen kann; ein weit schlimmerer ist ihre Einsichtslosigkeit. j Sie sind noch gesetzestreu, glauben es wenigstens zu sein; haben sie aber Z auch die Versicherung, daß ihre Kinder — wenn sie welche haben — ihre Enkel J oder Urenkel auch noch solche „gute Juden" sein werden? Alle Vernunft und Er- | fahrung spricht dagegen. Sobald der Jude — und das ist eben eine merkwürdige J Erscheinung — moderner Bildung sich zuwendet oder zu Vermögen und Ansehen | gelangt, beginnt er gegen die Glaubensgesetzlichkeit gleichgiltig zu werden und schließlich sie ganz abzustreifen. Nach moderner Bildung drängen sie sich aber doch allef sammt mit unwiederstehlicher Gewalt und ebenso sehr nach Gesellschaftsverkehr und 1 Lebensgenuß. j In demselben Maße und Grade, als diese Kulturelemente unter den Juden J im Zunehmen begriffen sind, zeigt die Gesetzestreue eine abnehmende Tendenz, derart, * daß der Psychologe von heutzutage, der in seinem psychologischen Laboratorium die j Seelenzustände durch Maß und Berechnung mit mathematischer Sicherheit glaubt bestimmen zu können, auch ziffermäßig den Zeitpunkt würde angeben können, der? als das Ende alles jüdischen Lebens und Wesens, überhaupt als das Ende des Judentums betrachtet werden dürfte. Sind wir noch Juden? Wenn wir Juden weiter nichts besäßen, als unsere Glaubensgesetzlichkeit und weiter nichts wären als eine auf diese Gesetzlichkeit be- .! ruhende Religions-Gemeinschaft, dann, ja dann müßten wir ehrlich und entschieden anworten: Nein, wir sind keine Juden mehr! Schauen wir uns doch rechtzeitig um nach einem anderen Surrogat für unser Judentum, denn damit geht es über kurz oder lang zu Ende.; Leopold Lörv und seine Ireunde. Jakob Auerbach schreibt am 17. November 1843 von Frankfurt a. Main über die Reformbestrebungen daselbst „die Sache geht übrigens nach und nach schlafen und der Streit dreht sich in letzter Zeit nur um Persönlichkeiten, von denen möglichst unberührt zu bleiben das Beste ist." — — Gotthold Salomon schreibt am 4. Dezember 1844 von Hamburg aus: „Dem Ideal, das ich mir von dem israelitischen Cultus längst entworfen, sind wir noch lange nicht nahe gekommen und der Himmel und die Besseren und Erleuchteten