Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SS ewiges Gesetz für alle eure Geschlechter, wie ihr, so sei der Fremde vor Gott; eine Lehre, ein Gesetz sei für euch und den Fremden, der bei euch wohnt." (Siehe Jgereth Ha-Rambam, Prag 1726, Seite 58 b.) Im Judentum, das so viele Proselyten in sich ausgenommen hat, ganze Völkerschaften und Dienerschaften, kann im Gesetze wie in der Liturgie von einer Rasse, also auch von Rassentugenden, Sympathien oder Antipathien nicht die Rede sein. Woher kommen denn diese Tugenden, diese Sympathien, dieses Gefühl der Brüderlichkeit, der Zusammengehörigkeit, des besonderen Mitleids? Nebst Nationalbewußtsein und Rasse, die in diesem Falle ausgeschlossen sind, kennen wir noch einen Faktor, der gemeinsame Tugenden erzeugt, der die Herzen bildet und die Seelen verbindet, und das ist die Religion, der gemeinsame Glaube. Weder Nationalität noch Rasse, die Religion ist es, die Israels Einheit, über alle Länder zerstreut, erhalten hat. Es ist die Religion und nicht die Politik oder die Rasse, die uns erhält, weil wir sie erhalten, und wir müssen zum Heile der Menschheit sie erhalten, so ist es Gottes Gebot, so ist es der Wille der Vorsehung, den wiv aber um das Was und Wozu nicht befragen können. Aber National- und Rassenschwindel ist eben Schwindel, eitler Dunst. „Und das Wort unseres Gottes besteht ewiglich." D. Ansichten eines greisen Zionisten über das Kefehesjudentum. Herr Dr. Rülf, dessen siebzigster Geburtstag jüngst gefeiert wurde, ein ' durch seine wissenschaftliche Leistungen wie durch sein Wirken im Dienste der Wohlthätigkeit hochverdienter Mann, entwickelt in einem Aufsatze, in der „Welt" „Sind ' wir noch Juden" interessante Ansichten in Bezug auf das orthodoxe Gesetzesjuden- ' tum, die weiter verbreitet und allgemein gekannt zu werden verdienen. Das Judentum ist die Religion des Gesetzes. Seine Gesetzlichkeit kennt keine Grenzen. Das mosaische Gesetz mit seinen 613 Geboten und Verboten haben der 1 Talmud und seine Decisoren, die „Früheren", die „Späteren" und die „Neueren", bis ins Ungemessene erweitert und vermehrt, derart, daß kein Mensch noch imstande ist, den ungeheuren Gesetzesreichtum des Judentums mit seinem Wissen zu umfassen. — Das Christentum ist die Religion des Dogmas, der Glaubenssatzung; - und auch die christliche Dogmatik hat die Kirche zu allen Zeiten ganz in derselben Weise bis zu einem kaum noch zu bewältigenden Umfange auszubilden und auszubauen gesucht. Nun hat aber die Wissenschaft, die exakte wie die spekulative, am christlichen Dogma in einer Weise gezehrt und gezerrt und auflösend gewirkt, daß von seiner