Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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ihr Geschrei niemals eingestimmt. . . . Uebrigens hängt die Antisemitenfrage — als kleine Episode! — mit der Weltfrage der Gegenwart zusammen, mit der sozialen Ich bin weder Anarchist, noch Kommunist, nicht einmal Demokrat im plebejischem Sinne, aber ein entschiedener Gegner des Kapitalismus in jeder Form. Nun frage ich die Antisemiten: „Warum bekämpft ihr nicht auch den Hochadel, der das Volk härter drückt als die Juden und es gründlicher ausbeutet, aber weder dem Staat noch der Menschheit nützt? — Aus Dudapest wird berichtet: Unter den Hunderten der im neuen Kttnstlerhause ausgestellten Gemälde zieht ein Tableau mit einem der neueren jüdischen Geschichte entnomnienen Sujet die besondere Aufmerksamkeit aller Freunde von Darstellungen historischer Scenen auf sich. Es stellt den jüdischen Philosophen Spinoza vor dem Amsterdamer Rabbinatskollegium dar in dem Momente, als der kleine Bann über ihn verhängt wurde. Das Bild voll künstlerischer Konzeption und feiner technischer Ausführung rührt von dem mit begeisterter Vorliebe jüdische Themas malenden Künstler Jzs6 Köveß her. Höchst packend wirkt das Bild mit seiner geschickten Gruppirung und seinen harmonischen Farbentönen. Spinoza steht in dem halb souterrainartig liegenden Beth-Hamidrasch, von den durch die Fenster hereinbrechenden Lichtstrahlen wie von einem Glorienschein umflossen, vor seinen an einem langen Tische sitzenden drei gestrengen und doch so sanft, theils mitleidsvoll dreinschauenden Richtern, deren mittlere Gestalt noch besonders Interesse erregt, da sie das getreue Porträt des erst vor einigen Jahren verstorbenen Rabbinatspräses S. L. Brill ist, dessen Haupt mit seinem durchgeistigten Antlitz ein idealer Studienkopf war. Wie es heißt, gedenkt der Maler Köveß einen ganzen Spinoza-Cyclus zu malen. Auch wünschen wir dem Künstler viel Glück zur Fertigstellung seiner bereits skizzirten und vielversprechenden Gemälde: „Titus' Siegeseinzng in Rom" und „König Mathias Corvinus empfängt die Huldigung der jüdischen Deputation." — Der italienische Finanzminister Leone Wollemborg entstammt einer jüdischen Familie, die aus Frankfurt a. M. nach Italien kam, und wurde 1>59 in Padua geboren. Sein Hauptverdienst erwarb er sich durch die Gründung von Darlehenscassen nach Raiffeisenschem Vorbild in den oberitalienischen Ws Provinzen. Seit 1872 Mitglied der Kammer als Abgeordneter für Citadella gehörte ^er reformfreundliche» Linken an und erwarb sich bald Anerkennung in wirth- ' schaftlichen und financiellen Fragen, sodaß er im Sommer 1898 als Unterstaats- / secretär der Finanzen in das Ministerium Pelloux berufen wurde, das der Kammer nachher die Aushebung des Mehloctrois vorschlug. — Der kürzlich verstorbene langjährige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mailand Asti Josef Gtlolenghi, ein Bruder des Divisions-Generals Ottolenghi in Turin, hat u. A. auch die drei italienisch-jüdischen Blätter „Corriere israelitico", „Vesillo israelitico" und „Mosö" mit Legaten bedacht. — Die Londoner Wochenschrift „Black and White“ ein streng royalistisches Blatt, bringt in der jüngsten, den großen Ereignissen in der Königsfamiliegewidmeten Nummer folgende sentationelle Notiz: „Der „Jewish Chrouicle“