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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-04-01 · Heft 4 (1.4.1901) · p. Seite 91

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 4 (1.4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 91 (sequence 19)
Language
German
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91 gründete einestheils darin, daß fie derartige Vorstellungen niemals besuchten und daher sich keine Anschauung davon bilden konnten, andererseits war dennoch ihre Bekämpfung zu manchen Zeiten gerechtfertigt. Die Sympathie für Theater war bei den Juden schon in den älteste» Zeiten vorhanden. Schon in der Syrerzeit sehen wir jüdische Griechlinge sich sogar an den rohesten und unsittlichsten Volksbelustigungen betheiligen und wenn damals die dem jüdischen Glauben treu anhänglichen Juden gegen solche Entartung von Schauspielen eiferten, hatte dies seine vollste Berechtigung, denn derartige Theater konnten keineswegs als eine Schule moralischer und ethischer Erziehung gelten. In späterer Zeit finden sich in Italien und Spanien bedeutende jüdische Männer, die sich mit der Dramatik beschäftigen und wenn diese Bühnenstücke, die hauptsächlich Scenen der Bibel zum Inhalte haben, nur kleine Anfangsversuche sind, so diene» sie doch als Beweise für das Interesse der Juden in früheren Jahrhunderten an der Bühnenkunst. In der neueren Zeit hat sich selbstverständlich die Mitarbeit der Juden ans dramatischem Gebiete bedeutend verstärkt, und so sehen wir geistvolle Schöpfer dramatischer Werke und hervorragende Schauspieler ans dem Schooße des Judenthums hervorgehen. Zum Schlüsse seines Vortrages erwähnte Dr. Karpeles die jüdisch-deutschen Theater, wie diese besonders für unsere östlichen Stammesbrüder ein wichtiger Factor freudiger Abwechslung in ihrem sonst gedrückten Dasein bilden und gern ausgesucht werden. - Ullttor Istürzy, der bekannte antisemitische Agitator, hat kürzlich das Buch des jüdisch-römischen Schriftstellers Josefus Flavius übersetzt und sucht dieses Buch an Mäcene abzusetzen, um sein Leben zu fristen. Wirklich, es haben Bücher ihre Geschichte und auch antisemitische Agitatoren. Der alte Josefus Flavius hätte es sich nicht gedacht, daß nach zwei Jahrtausenden ein Antisemit mit ihm hausiren gehen werde, ebenso wenig wie der Jstoczy des Tisza-Eßlürer Prozesses, daß er mit einem Juden hausiren werde. — Im März-Heft von „Mord und Süd" veröffentlicht Herr Bernhard Münz (Wien) eine Auswahl von Briefen, die Adolf Pichler „der Alte vom Berge" an ihn gerichtet hat. In einem Schreiben vom 14. April 1896 heißt es: „Der Antisemitismus ist für mich ziemlich gegenstandslos. In Tirol sind wenig Juden; den Wucher besorgen, wie die gerichtlichen Verurtheilungen beweisen, ausgiebig unsere katholischen Brüder, die deutschen Buchhändler sind durchschnittlich schäbiger als der schäbigste Jude. In meiner Jugend lebten wir mit den Idealen der Humanität, heute werden wir als 48er ausgelacht. Juden haben mir Liebe und Freundschaft bewiesen und ich auch Juden- Ich frage Niemand, was er ist — Sind Sie Jude oder Christ? Das geht mich gar nichts an. Der Antisemitismus ist nicht künstlich gezüchtet, er ist eine Zeiterscheinung, die sich in der Zeit ausleben muß. Trotz des Weltverkehrs schließen sich die Völker mehr und mehr ab, Juden und Arier folgen dabei bewußt oder unbewußt dem gleichen Drang Den Juden die Menschenrechte abzuerkennen, ist Sünde. Ich verhalte mich unbefangen von Fall zu Fall — ohne Dogma von rechts und links. Den Antisemiten habe ich stets gerathen, Maß zu halten, und in

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