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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-04-01 · Heft 4 (1.4.1901) · p. Seite 90

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 4 (1.4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 90 (sequence 18)
Language
German
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90 Bismarck- Bei den Notaren nnn handelt es sich nicht einmal um „Staatsgeschäfte," sondern uni einfache Beurkundungen und dergleichen. Herr Schönstedt also könnte den Fürsten Bismarck keinesfalls als Eideshelfer für sich in Anspruch nehmen. — In einem Artikel der „Dossischen Zeitung" über die Erklärungen, welche der preußische Justizmiiiister im Abgeordnetenhause in Betreff der Anstellung von Juden im Justizdienste abgegeben hat, wird Folgendes mitgetheilt: ,Man erzählt, daß Kaiser Wilhelm bei seinem jüngsten Besuche in Hamburg dem General Direktor Ballin gesagt habe, er stehe noch nicht an der rechten Stelle, es müsse dafür gesorgt werden, daß er dahin gelange. „Ja, Majestät," antwortete Herr Ballin, „Sie wissen wohl nicht . . ." Der Kaiser unterbrach ihn: „Was weiß ich nicht? Daß Sie Jude sind? Das ist mir ganz gleichgiltig, das macht mir nichts; das können Sie Jedem sagen." — Am 27. Januar fand am jüdisch-theologischen Seminar in Kreslau die übliche Gedenkfeier für den Stifter der Anstalt, Kommerzienrath Jonas Fränckel, statt. Es verband sich damit die feierliche Entlassung des Herrn Dr. Dienemann aus Krotoschin. Die Festrede hielt Herr Dozent Dr. Horvitz, der gegenwärtig im Lehrerkollegium der Anstalt den Vorsitz führt. In geistvoller Weise sprach der Redner über „Das Buch der Frommen", schilderte dies alte, eigenartige Schriftwerk als einen Spiegel seiner Zeit, des Mittelalters, und behandelte eingehend das Verhältnis des Judenthums zur Superstition. Hierauf verkündigte der Vorsitzende das Ergebnis der Bewerbung um den von Professor Kaufmann gestifteten Rosin'schen Preis. Es war als Aufgabe das Thema gestellt: „Die Geschichte des Achtzehngebetes." Der jetzt zum zweiten Mal vorgelegten Arbeit wurde der Preis zuerkannt. Die Eröffnung des beigegebenen Kouverts ergab als den Bewerber den Herrn Dr. Jsmar Elbogen, einen ehemaligen Zögling der Anstalt, der jetzt am Collegio rabbinico in Florenz thätig ist. Der an diesem Tage erschienene Jahresbericht der Anstalt bringt eine Fortsetzung der „Geschichte der schlesischen Juden" von Dr. M. Braun. Im Uebrigen erfreut sich die Anstalt nach wie vor des öffentlichen Vertrauens. Zwar erscheinen wie bekannt bei jedem Semesteranfang in den orthodoxen Blättern Warnungen vor den Thora- und Gottesleugnern, die da auf der Waslstraße den Lehrkörper des Seminars bilden, aber sie verhallen wirkungslos. — In Köln hielt Dr. G. Karpeles im Verein „für jüdische Geschichte und Literatur" einen Vortrag über „das Theater bei den Juden." Von einem Vorfälle aus einer jüdischen Gemeinderathssitznng in Berlin vor über 100 Jahren ausgehend, worin ein jüdisches Theaterverbot beraten und angenommen werden sollte und plötzlich ein stattliches junges Mädchen die Thüre des Sitzungslocales aufriß und bittend und flehend um Aufhebung dieses Verbotes sich an die Gemeinde-Aeltesten wandte, beschäftigte sich Redner zunächst mit den Gründen und Ursachen, die die alten Rabbiner und Gesetzeslehrer zu den strengen Verboten des Theaterbesuches und des Bühnenberufes bestimmten. Drastische Beispiele aus dem Talmud, aus einzelnen Midraschim führte er als Belege hierfür an. Ihre Verurtheilung der Schauspiele

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