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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-04-01 · Heft 4 (1.4.1901) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 4 (1.4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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>* . ' ' -fT‘ " ' * * **' ' .-" ' *«**.■. — 86 — Und, Gott sei Dank, es hat mir neben vieler Feindschaft d'och auch nicht an mancher Ermutigung gefehlt. Zu meinen schönsten Freuden gehören die zn° stimmenden Worte, die gelegentlich von ehemaligen Zuhörern, auch von mir unbekannten Theologen an mich gelangen — mit der Ermunterung, ich möge ausharren,' mit der Bitte, ich moste ihnen durch Rat und Bücher behiflich sein, auf demselben Wege vorwärts zu schreiten. Und nicht um mich z» rühmen, sondern um zu zeigen, daß außer mir noch andere Christen der sogenannten orthodoxen Richtung das rechte Verständnis für die verheerenden Folgen der antisemitischen Agitation besitzen, erwähne ich hier noch eine erst kürzlich meinem Streben aus Köln gewordene Anerkennung: „Die vom 6. bis 9. Oktober in Köln a. Rh. versammelte Allgemeine Missionskonferenz für die Arbeit der Kirche an Israel spricht dem Herrn Professor Strack-Berlin für seinen selbstlosen und dornenvollen Kampf im Interesse der Wahrheit und christlichen Liebe Israel gegenüber ihren herzlichen Dank aus." Nur Wenige können selbstthätig, mit gedrucktem oder gesprochenem Worte der von antisemitischer Seite ausgehenden Verhetzung entgegentreten. Etwas aber kann jeder rechte deutsche Christ thun, kann auch jeder deutsche Jude thun: mit Hilfe der vorhandenen Schriften sich selbst unterrichten und die so gewonnenen Kenntnisse verwerten, um Andere aufzuklären. Der Haß hat manche Mutter; Unwissenheit ist eine der fruchtbarsten Bei jedem neuen Auftreten der „Blutbeschuldigung" kann und sollte Jeder 1. zur Ruhe ermahnen und die Bitte aussprechen, daß man die amtliche Klarstellung des Thatbestandes abwarte und daß man es nicht den untersuchenden Beamten durch Dreinreden erschwere, ihre Aufmerksamkeit nach allen Seiten hin zu richten. 2. Jeder soll unter Nennung solcher Fälle wie Trient 1475, Pösing 1529 zeigen können, daß der geschichtliche Beweis für die Richtigkeit der Beschuldigung bisher völlig mißglückt ist; 3. Jeder soll im Stande sein, die Gründe anzuführen, die dafür sprechen, daß gerade die mit Blut zusammenhängenden Arten des Aberglaubens und Volksglaubens bei den Juden sehr selten zu finden sind; 4. Jeder soll dem jetzt beliebten Gefasel (verzeihen Sie den groben Ausdruck; aber ich will deutlich reden), ich sage also: dem jetzt beliebten Gefasel entgegentreten, nach dem Traditionen über einen Blutritus zwar nicht für das ganze Judentum in Geltung wären, wohl aber für eine „Sekte" oder einige „Sekten". Wer auch nur etwas von jüdischer Geschichte kennt, weiß, daß das Judentum zwar gegenüber dem Glauben und dem Thun des Einzelnen stets sehr tolerant gewesen ist» daß es aber Sekten stets verfolgt hat in der richtigen Erkenntnis, daß Sekten dem Bestände gerade des Judentums im höchsten Grade gefährlich sein würden. Gäbe es wirklich eine solche jüdische Sekte, so müßten alle anderen Juden, schon

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