Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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“*f> ** '<■{ -' TOirir -c-- >"y rw\^rf .i w^yjwpj^ leicht motiviren, warum es nötig sei, nach einer eingenommenen Milchspeise den;* Mund auszuspülen, um Fleisch zu sich nehmen zu dürfen. Das Vorhandensein einer psychischen Stimulation für die Magenthätigkeit . 4 wirft auch ein Licht auf den Sinn des mystischen Verbotes, daß zwei Personen nicht zu gleicher Zeit an einem Tische sitzen dürfen, wenn die eine Milch und die - andere Fleischnahrung zu sich nimmt. Dieser Sinn ergiebt sich mit handgreiflicher > Bestimmtheit aus dem Resultate des folgenden an Tieren angestellten Versuches. Es wird bei einem Tiere die Speiseröhre im Querschnitte durchschnitten und an den Magen eine Fistelröhre angelegt. Durch diese Röhre wird Milch in den Magen 1 hineingebracht, und dem Tiere wird dann Fleisch durch den Mund gereicht, welches, nachdem es in die Speiseröhre geraten ist, von da durch die gemachte Öffnung selbstverständlich wieder herausfällt, so daß es in den Magen nicht hineingerät. Es wird dann nichts desto weniger zum Vorschein kommen, daß bei dergleichen Versuchsweise die der Milch eigene Saftabsonderung eine Änderung erleidet, was augenscheinlich auf den Einfluß der psychischen Stimulation der Fleischspeise, die im Bewußtsein des Tieres bekannte Geschmacksempfindungen deutlich hervorgerufen hat, zurückzuführen ist. Ist denn das gleichzeitige Essen zweier Personen an einem Tische, wobei die eine Fleischnahrung und die andere Milch zu sich nimmt, nicht dem eben angeführten physiologischen Versuche analog (wenn auch mit einigen Abänderungen)? Belehrend ist in diesem Falle die Bemerkung des Prof. Pawloff, des Schöpfers der modernsten Verdauungsphysiologie, die lautet: „Der Einfluß der Psyche thut sich nicht blos in der Form des Verlangens kund, sondern auch in der Form des Gedankens; nicht blos das Verlangen nach Nahrung überhaupt ist von , Wichtigkeit, sondern auch die Vorstellung von irgend einer bestimmten Speise." Wenn zwei Personen ihr Mahl an einem Tische einnehmen, wobei die eine Fleisch und die andere irgend eine Milchspeise zu sich nimmt, können das Aussehen und der Geruch der von der einen Person eingenommenen Nahrung bei der andern Person, indem sie sich in deren Bewußtsein hineinschleichen, eine Andersgestaltung . der Thätigkeit, welche der genossenen Speise sonst eigen ist, verursachen. Und nicht allein bezüglich der Magen-, sondern auch im Bezug auf die Darmverdauung ist es nicht einerlei, in welcher Ordnung darin die Nahrung gelangt, ob Milch oder ob Fleisch früher. Ohne mich in ausgedehnte Erörterungen einzulassen, will ich blos die direkten Experimente anführen, welche darzuthun vermögen, daß der Übergang von Fleischzur Milch- und Broddiät oder die umgekehrte Ordnung der Nahrung auch die Andersgestaltung der Pankreasthätigkeit im Wesentlichen beeinflußt. Meine Herren! Ich werde nicht mehr Ihre Aufmerksamkeit ermüden mit der Aufzählung der in den letzten Jahren von der Phxsiologie errungenen Ergebnisse, um deren Enthüllungen sich die Schule des Prof. Pawloff, zu dessen Schülern auch ich die Ehre habe mich zu zählen, so sehr verdient gemacht hat; ich will