Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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* . ,F,w;-w-'V r-;rr< * , * - Vi* f** ,, ./v„\'V -x' ■■ * •%'fs^V «•* — 80 — ergeben, daß von allen fetthaltigen Speisen die Mandelbutter am wenigsten die Eigenschaft besitzt, auf die Saftabsonderung hemmend einzuwirken. Und der Genuß von Mandelbutter (in Kompot oder Kaffee) nach Fleisch ist, wie bekannt, thatsächlich gestattet. ES ist augenscheinlich, daß irgend eine Milchspeise erst dann, ohne schädlichen Einfluß auf die Verdauung auszuüben, nach Fleisch genossen werden kann, wenn daS Fleisch den Übergang vom Magen in den Darm schon vollbracht hat. Die zu diesem Übergang nötige Stundenzahl hängt von vielen Bedingungen ab, hauptsächlich aber vom Ouantnm des eingenommenen Fleisches; nehmen wir die von mir, so wie andern Autoren aufgestellten Berechnungen in Betracht, dann können wir ohne besonders fehlzugehen feststellen, daß ein halbes Pfund Fleisch, — die gewöhnliche Portion eines normalen Essers, — den Magen nach sechs Stunden verläßt. Wie aber gestalten sich die Verhältnisse im entgegengesetzten Falle, d. h wenn man nach eingenommener Milchspeise den Mund ausspült und Fleisch zu sich nimmt? Ohne mich viel in theoretische Erörtemngen einzulassen, kann ich bezeugen, das vielfach konstatirte und genau festgestellte Thatsachen vorhanden sind, aus denen sich ergiebt, daß'es nicht einerlei ist, in welcher Ordnung die verschiedenartigen Speisen aufeinanderfolgen, ob früher Fett und nachher Fleisch in den Magen kommt oder in umgekehrter Ordnung. Im ersten Falle, d. h, beim Milchgenusse vor Fleisch, tritt fast keine merkbare Hemmung der Saftabsonderung, — von der ich früher Erwähnung gethan habe, — ein, außerdem ist da die Saftabsonderung auch von einigen andern ungünstigen Seiten frei, welche im andern Falle (d. h. beim Milchgenusse nach Fleisch) dagegen scharf hervortreten. Auf diese Einzelheiten habe ich in dem von mir in einer medizinischen Zeitschrift veröffentlichten Artikel hingewiesen. Diese so verschiedenartig sich gestaltenden Verhältnisse, die davon abhängen ob Fleisch- oder Milchnahrung früher in den Magen kommt, schreibt die Physiologie dem Einflüsse zu, welchen die Psyche, d. h. die Vorstellung vom Essen, auf die Magenthätigkeit ausübt. Die psychische Rolle besteht darin, daß selbst das Aussehen der Nahrung, ihr Geruch (Reiz des Geruchsinnes) und umsomehr das Kauen der Speise (Reiz des Geschmacksinnes), alle diese Momente an und für sich, abgesehen davon, ob die Nahrung thatsächlich in den Magen gerät oder nicht, die Saftabsonderung in sehr beträchtlichem Grade bedingen. Und deshalb dient — beim Fleischgenuß nach Milch — die dem Fleische eigene psychische Reaktion auf die Saftabsonderung als ein reichliches Ersatzmittel für die hemmende Wirkung der vorher genossenen Milchnahrung; im entgegengesetzten Falle aber, wenn Milch nach Fleisch in den Magen kommt, tritt ein derartige Inferenz der Kräfte nicht ein, und die Energie der Magensaftabsonderung verschwindet. Ich will noch nebenbei bemerken, daß die psychische Stimulation ausschließlich dem Fleische eigen ist, und daher, glaube ich, läßt sich aus dem schon Gesagten