Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1901)
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesvolk, Israel ein Reich der Herrschaft des Ewigen. Als seine Freiheit geboren ward, da erwachte auch in seinem Herzen ein höherer Gottessinn, als das Morgenrot der Erlösung über seinem Haupte aufstieg, da erhellte auch ein Lichtstrahl himmlischer Wahrheit seine Seele, gebrochen waren die Fesseln des Druckes, der sie zu Knechten und Leibeigenen eines unerbittlichen Tyrannen gemacht, aber gesprengt auch die Ketten des Wahns und der Geistesknechtschast, in der ihre Seele hingeschmachtet, so daß in der Enge ihrer Geistesanschaunng und in der Beschränktheit ihres Knechtsinns für das erlösende Wort eines Moses jedes Verständnis abgegangen war, jede Empfänglichkeit gefehlt hatte. Die Erlösung bestand nicht blos in dem Niederreißen äußerer Schranken, welche den Fortgang der irdischen Machtentwicklung hemmten, sondern mehr noch in dem Aufbau fester Grundlagen, auf denen in Israel das Heiligtum der wahren Gotteserkenntnis, der echten Menschentugend und Menschenliebe sich erheben sollte. In ein solches Heiligtum wollte Israel durch die weitgeöffneten Pforten der Freiheit einziehen, sie war ihm ein Pfad, der zu höheren Lebenszielen hinleitet, ein Weg, der zu Gott emporführt, eine Bahn des Lichtes und des wahren Geistesfortschritts, nicht eine solche, die jeder festen Richtung ermangelt und bei der es daher immer abwärts geht, bis man bei dem Abgrunde des sittlichen Verfalls anlangt und die geistige Gesunkenheit aus den finsteren Tiefen des Verderbens keinen Ausweg findet. Es ist wahr, Israel ist auf der Höhe, auf welche es sich erhoben hat, nicht immer geblieben, es hat nicht lange gedauert, da ist der schrankenlose Übermut, der nur ein niederer Knechtssinn in veränderter Gestalt ist, wiederum in Israel hervorgetreten, aber wir haben, indem wir den Erinnerungen des Pessach-Festes nachgehen, eben die Zeit im Auge, in der Israel zuerst das Licht der Freiheit erblickt und da wird uns erzählt: An eben diesem Tage, an dem Ihr das Erlösungsfest Israels feiert, da sind Euere Väter aus Ägypten hinweggezogen, eine Schaar von Gottbegeisterten, ein Heer, das dem Dienste des Ewigen sich geweiht, alle einig in dem treuen Bekenntnis und in der liebevollen Verehrung des Herrn, dessen Hilfe, dessen Gnade sie aus dem Elend erhoben und Israel dazu berufen hat, das Licht zu werden, das den Geist der Menschheit erhellt, das Band, das alle Völker im Geiste der Liebe eint. Auf diese herrlichen Tagen, in denen in Israel Freiheitssinn und Gottessinn sich in so lieblichem Einklänge zu einander fügten, weisen daher die Propheten immer wie auf das goldene Zeitalter unserer Vergangenheit zurück. Als Israel noch ein Knabe war, lautet das Wort Gottes durch Hosea, mit kindlicher Innigkeit, mit jugendlicher Begeisterung mir nachging, da liebte ich es, das Volk, das da aus dem Pharaonenlande zog, es war mir ein Sohn, es ehrte und liebte mich, wie ein Kind seinen Vater liebt und ehrt. Ich gedenke Dir die Holdseligkeit deiner Fugend, spricht der Herr durch den Propheten Jeremia, wie Du, gleichsam eine Braut, die dem Manne ihrer Wahl folgt, Dich mir liebend angeschlossen hast, mit mir gegangen bist, wohin ich Dich führte, selbst den Weg in die