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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-11-01 · Heft 11 (1.11.1901) · p. Seite 262

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 11 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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— 262 — wurde die Direktorinstelle an der dortigen konfessionellen Schule vakant. Keine christliche Lehrerin wollte diese Schule, welche ausschließlich von jüdischen Mädchen besucht wird, leiten; denn sie wird von Seiten der Schulbehörde als auch von Seiten der christlichen Lehrerinnen für eine Strafanstalt angesehen. Es bewarb sich auch eine jüdische Lehrerin, Frau Oberhart, um diesen Posten und wurde schließlich vom Gemeinderat zur Direktorin ernannt. Aber die Rechnung ward ohne den Wirt gemacht. Der Klerisei und dem gewesenen Vizepräsidenten des Landesschulrates Dr. Bobrzynski, dem Vertreter der Adelspartei in Schulsachen, war diese Ernennung ein Dorn im Auge. Zwei Jahre lang ließen sie durch ihre antisemitischen Helfershelfer unter den Lehrern Protest auf Protest einreichen. Schließlich gelang es, durch Intervention der höchsten Schulbehörde, der dem Lehrerberufe mit ganzer Seele ergebenen Frau Oberhart, ihr Amt anzutreten. Jeden, der diese pflichttreue und tüchtige Lehrerin kennt, niuß dieser Sieg doppelt freuen. — In Ischl starb Herr Moses Freiherr v. Waldberg. Derselbe ist in Galizien geboren, kam aber schon frühzeitig nach Jassy, woselbst er zunächst im Bankhause Neuschotz einen untergeordneten Posten einnahm. Dann machte er sich selbstständig und eröffnete einen jener fliegenden Geldwechslerstände, wie sie früher in Rumänien so zahlreich waren. Hier legte der energische Mann den Grund zu seinem Vermögen, das er dann später durch eine Heirat mit der Tochter des reichen Jassyer Bankiers Kahane noch bedeutend vergrößerte. Umstände verschiedener Art bewogen Waldenberg, später wieder nach Österreich zu ziehen, wo aus dem kleinen Straßenwechsler von ehemals im Lause der Jahre der große Finanzier und Millionär wurde, dessen brennendem Ehrgeiz eS auch schließlich gelang, sich den Adel und sogar die Baronie zu erwerben. Auch in Bukarest, woselbst er Ende der achtziger Jahre ein bedeutendes Escompte- und Hypothekargeschäft etablierte, war Waldberg eine sehr bekannte Persönlichkeit. Seine außerordentliche Geschäftstüchtigkeit, seine gründliche Kenntnis der ökonomischen Fragen, sowie nicht minder sein kaustischer» stets schlagfertiger Witz machte ihn zum gerne gesehenen Gast nicht nur der finanziellen, sondern auch der einflußreichsten politischen Persönlichkeiten. Selbst der König empfing ihn sehr oft und unterhielt sich mit ihm gern über finanzielle Fragen, zu denen er dann die ihm eigenen witzigen Vergleiche und Anekdoten vorzubringen pflegte. Der schneelose Winter von 1899 hatte eine totale Mißernte und im Anschluß daran den Ausbruch der allgemeinen Krisis herbeigeführt, und die rumänische Regierung war genötigt gewesen, die 175 Millionen-Anleihe in Berlin aufzunehmen. Der Winter des nächsten Jahres war aber ein schneereicher und stellte für den Sommer eine glänzende Ernte in Aussicht. In diesem Winter nun wurde Waldberg vom König Karol empfangen, der, auf die weiße Schneedecke hinweisend, sagte, daß man mit Gottes Hilfe wohl aus der Krisis herauskommen werde. „Nun ja," erwiederte der Baron, „die aus Berlin schicken uns das Geld und der liebe Gott," hier deutete er auf den in dichten Flocken fallenden Schnee, „sorgt für die Deckung".

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