Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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ff'J ,.P r r - ' ^' '* - 261 - Konferenzminister Grafen Franz Kolowrat einen energischen Helfer. Den vereinten Kräften dieser beiden Männer gelang es, den Friedhof zu retten. Auch damals handelte es sich, ebenso wie heute, darum, ob man einen Teil des Friedhofes kassieren sollte. Aber die genannten Würdenträger waren von der Überzeugung erfüllt, daß die Auflassung auch nur eines kleinen Teiles des Friedhofs, „dem mächtigen Eindruck, den der Gottesacker in seiner Gesamtheit übt, Abbruch thun würde", und diesen Standpunkt nahm auch der Kaiser Franz II. ein. Und nun, in einer Zeit, da die Czechen die historische Bedeutung ihrer Landeshauptstadt bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit hervorheben, wird eines der altertümlichsten und schönsten Denkmäler Prags, wie sie keine andere Stadt Europas aufzuweisen vermag und das den Stolz von Prag bildet, ökonomischen Rücksichten zum Opfer gebracht. — Dem Dichter-Philosophen Hieronymus Lorm in Krim« gingen zu seinem achtzigsten Geburtstagsfeste aus aller Welt zahlreiche Glückwunsch- Telegramme und Briefe zu. — In Edlach, wo er zur Sommerfrische weilte, starb der Handelskammerrat Herr Simon Strakosch aus Brünn im 66. Lebensjahre. Er bekleidete viele Ehrenämter und war wegen seines humanitären Wesens eine in allen Kreisen hochgeschätzte Persönlichkeit. — Im Alter von 49 Jahren starb Herr Dr. Julius Strakosch, Bürgermeister und Ehrenbürger von Hohenau. —. In Wien ist Herr Robert Hrüll, Generaldirektionsrat im Eisenbahnministerium, im 69. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene war bis zur Verstaatlichung der Lemberg-Czernowitzer Bahn Chef des finanziellen Departements derselben und wurde sodann in das gleiche Departement des Eisenbahnministeriums übernommen. Er war durch seinen Pflichteifer und seine treffliche« Charakter-Eigenschaften allgemein bekannt. — Emil Wakai, einer der talentiertesten unter den jüngeren Dichtern ist in Kudapest nach längerem Leiden verschieden. Der im Jahre 1871 zu Mak6 geborene lyrische Poet machte sich schon als Zögling des Rabbiner-Seminars durch sein Erstlingswerk „Religiöse jüdische Dichtungen" bekannt. Später übersetzte er unter dem Titel „Zsido költök“ die Dichtungen Halewis, Manuelas und Gabirols. Sein Drama „Absolon" errang durchschlagenden Beifall. Nach Herausgabe seiner neueren dramatischen Werke wurde er der dramaturgische Referent des Nationaltheaters und Mitglied der Petöfigesellschaft. Die ungarischen Schriftsteller und Dichter beklagen den unersetzlichen Verlust des erst 30jährigen Kollegen und Freundes. — Vor etwa 30 Jahren verschwand in paßto (Ungarn) der 16jährige Junge Julius Kößler, der jetzt als mehrfacher Millionär dahin zurückkehrte. Seinerzeit hat er sich als Schiffsjunge nach Amerika durchgearbeitet, jetzt besitzt er dort 7 große Branntweinfabriken und wird infolge seines Reichtums in Amerika allgemein „Whisky-König" genannt. Er gedenkt einige Wochen in seinem Vaterlande Ungarn zu verbleiben. — Ein wichtiges Ereignis in Galizien, die Einsetzung einer jüdischen Direktorin an der größten städtischen Mädchenschule in Lemberg, ging in aller Stille vor sich. Und dennoch kostete diese Stelle einen heißen Kampf. Vor etwa zwei Jahren