Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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25Ö geistige und wirtschaftliche Hebung der Juden. — Dem Studierenden der Rechte Paul Abraham aus Grünberg in Schlesien ist auf Veranlassung der Universitätsbehörden in Berlin der städtische Preis für die juristische Fakultät zuerkannt worden. — Zum Leibarzt des Fürsten von Bulgarien ist Dr. med. Hugo Grätzer,' bisher Assistenzarzt an der chirurgischen Universitätsklinik in Kiel auf ganz besondere Empfehlung des Leiters der Anstalt, des Professors v. Esmarch, ernannt. — In Ueu-Aaußnitz starb am 4. Oktober im Alter von 89 Jahren der Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt und frühere Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Herr David Drüll. In dem Nachruf der Gemeinde heißt es von diesem ebenso hochgeschätzten wie hochverdienten Manne, daß er durch „vieljähriges hingebungsvolles und humanitäres Wirken sich ein unvergeßliches Denkmal in der Gemeinde gesichert." — In Adolf Harnacks „Das Wesen des Christentums" (Leipzig I960) finden wir auf Seite 45 folgende bemerkenswerte Stelle: „In seinem Volke fand Jesus eine reiche und tiefe Ethik vor. Es ist nicht richtig, die pharisäische Moral lediglich nach kasuistischen und läppischen Erscheinungen zu beurteilen, die sie aufweist." Auf Seite 46 betont der genannte Gelehrte, daß Jesus überall in den sittlichen Fragen auf die Wurzel, d. h. auf die Gesinnung zurückgeht und daß er die sehr einfachen und selbstverständlichen Wahrheiten in die scharfe Form gekleidet: „Zu den Alten ist gesagt worden . . . Ich aber sage euch". Harnack fügt hinzu: „Also war es doch ein Neues". Aber neu nur durch den Umstand, daß die Gegensätze künstlich konstruiert worden sind. Es zeigt sich dies besonders bei folgendem Satz in der Bergpredigt: Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst Deinen Nächsten lieben und Deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde u. s. w." Bekanntlich findet sich aber im ganzen jüd. Schrifttum auch nicht die Spur eines solchen mit der jüd. Religion in Widerspruch stehenden Gebotes, de» Feind zu hassen. Das aus der heiligen Schrift in das neue Testament übergegangene Gebot lautet ohne Einschränkung: Liebe Deinen Nächsten (Mitmenschen) wie dich selbst! (3. B. M. 18, 19). — Die Hinterbliebene Witwe des vor einem Jahre verstorbenen Herrn Theodor Stern hat in Frankfurt a. M. in pietätvoller Erinnerung an ihren Gatten die Summe von M. 500000 gestiftet als Grundstock einer Theodor Stern'schen Stiftung zur Förderung medizinischer Zioecke. — Dem Schwedischen Generalkonsul Herrn Max Karr in Frankfurt a. W. ist das Ritterkreuz I. Klasse des oldenburgischen Haus- und Verdienstordens verliehen worden. — In der in Wien erscheinenden „Neuzeit" schreibt ein Herr 8.: Nun, nachdem wir nahezu 1900 Jahre in unfern Gebeten die Wiederherstellung des Opferkultus herbeisehnen, obwohl schon Maimonides vor 700 Jahren in seinem „Moreh“ die Idee vertritt, die Opfer wären nur eine Konzession an das damalige Zeitbewußtsein, eine erziehliche, temporäre Maßregel gewesen, auf daß „die Israeliten nicht mehr den Waldteufeln opfern", fragt es sich, ob es sich mit unserni modernen Kulturniveau noch verträgt, an diesen Gebeten mit starrem Eigensinn festzuhalten, wobei wir von fanatischen