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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-11-01 · Heft 11 (1.11.1901) · p. Seite 258

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 11 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
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Mittel entlassen darf, sondern man soll ihnen geben von dem Ertrag der Herden, der Tenne und des Kelters. Das Brachjahr, in dem höchst wahrscheinlich nur aus landwirtschaftlichen Gründen nicht gesät und geerntet werden sollte, ist zum Erlaßjahr geworden: „Es soll jeglicher Schuldner erlassen das Darlehen aus seiner Hand, das er seinem Nächsten geliehen, er soll nicht seinen Nächsten und seinen Bruder drängen, denn Erlaßjahr hat matt Gott zu Ehren ausgerufen." Auch der menschlichen Schwäche, daß man mit Rücksicht auf das nahe Erlaßjahr sein Herz der Stimme des Leidenden verschließen könnte, hat der Gesetzgeber vorgebeugt. Hab Acht auf dich, daß nicht in deinem Herzen der nichtswürdige Gedanke sei, daß du sprechest: „Es naht das siebente Jahr, das Erlaßjahr, und du mißgünstig seiest gegen deinen Bruder, den Armen, uud du ihm nichts gebest, daß er über dich schreie zu Gott und eine Sünde über dich komme." Eine ebenfalls wichtige, von hohem sozialem Verständnis zeugende Vorschrift ist die, daß man dem Lohnarbeiter seinen Lohn am Tage zahle „und nicht soll darüber die Sonne untergehen, denn dürftig ist er und sehnt sich danach, daß er nicht über dir schreie zu Gott". Viele Einzelbestimmungen sind bedeutsam wegen ihres hohen sozialetischen Charakters. _ (Schluß folgt.) WsnatssHau. Herr Stöcker richtet aus Reinthal an seine „lieben Parteigenossen" eine Epistel, welche einem weitgehenden Pessimismus huldigt. „Es ist Thatsache," so schreibt er, „daß wir Christlichsoziale von Fortschrittlern, Liberalen, Freikonservativen, von Juden und schlechten Christen, von weltlicher und geistlicher Obrigkeit auf das schärfste angefeindet sind. Daß diese Mächte mit ihrer Gegnerschaft irgendwie Singer und Konsorten angegriffen hätten, davon ist nichts verlautet. Die Feindschaft gilr nur dem sozialen Christentum, nicht dem sozialdemokratischen Judentum und dem Abfall. Das ist die wenig erbauliche und wenig hoffnungsreiche Lage in Deutschland." — Vor kurzem ist wieder ein Stück Allfrankfurts, nämlich die irregulärste Gaffe, die man sich denken kann, die bald breiter, bald.schmäler wurde, an der Mauer des Judenkirchhofs bis zur Allerheiligenstraße herlief und daher den Namen „Hinter der Judenmauer" führte, aus der Topographie Frankfurts verschwunden- Die Gasse ist völlig ausgefüllt und dem Erdboden gleichgemacht. Nur der jüdische Friedhof, dessen Tage auch gezählt sind, erinnert noch daran, daß hier auf einem kleinen Stückchen städtischen Boden die Juden zusammengepfercht waren. Die Judengasse heißt jetzt Börnestraße, der Judenplatz Börneplatz, das Judenbrückchen Einhornstraße, „Hinter der Judenmauer", teils am Schwimmbad, teils Stvltzestraße. Mit dieser Straße verschwand das Judenspital, der Judenbleichgarten, das Judeneck, Am Stöcker. — Der nächste Zionistenkongreß findet vom 26. bis 28. Dezember wieder in Sasel statt. Das Hauptreferat hält Max Nordau über die körperliche,

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