Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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257 Gesellschaftsversassung, in der noch nicht Ungleichheit und soziale Gegensätze sich regten. Das Programm, das sie aufstellten, war ein sozialetisches. Jesaja erhoffte Abhülfe von einem starken, gerechten König, der niemand zu Liebe und niemand zu - Leide nach dem Grundsätze suum cuique den Staat lenkt. Diese Partei, deren ■ | Stifter Jesaja war, trat aber auch mit praktischen Reformvorschlägen auf und | verlangte int Anschluß an das vorhin erwähnte Bundesbuch eine Neugestaltung des j Schuld- und Armenrechts. Fast schien es, als ob der Völkerfrühling, von dem Jesaja f geträumt hatte, knospen wollte, denn mit dem jungen König Josia kam ein Herrscher . | auf den Thron, der ein soziales Königtum verwirklichen zu wollen schien. Aber die I Saat, die er ausstreute, wurde zertreten von seinem Sohne Jojakim. Das Licht, J das der Thron eine kurze Zeit ausgestrahlt, erlosch wieder und tiefe Finsternis E herrschte, die Hülfe unmöglich machte. — Aber doch läßt sich um die Mitte des 7. j Jahrhunderts eine Veränderung der Sachlage konstatieren durch die Auffindung des - 5. Buches Moses im Jahre 621. Damit war endlich greifbar das formuliert, I was die Einsichtigen längst gefordert hatten. Viel schärfer als im Bundesbuch, tritt -j tri dem Gesetzeskodex des Deutoromiums der sittlich-religiöse Gedanke, der die Reden s der Propheten durchzieht, in den Vordergrund. Klar und bestimmt weht aus dieser ’j Sozialgesetzgebung der Geist der Barmherzigkeit und Liebe entgegen. Eine höhere f Moral soll an Stelle des Egoismus treten, eine Moral, die in einer umfassenden - j Menschenliebe zum Ausdruck kommt. In der Brust des Menschen selbst liegt der I Grund hierfür, wie es so schön heißt: Die Forderungen, die ich an dich stelle, sind 1 nicht unerreichbar für dich und nicht fernliegend, nicht im Himmel, so daß man j sagen könnte, wer kann hinauf in den Himmel und sie herabholen und uns mitj teilen, so daß wir sie erfüllen, nicht jenseits des Meeres, so daß man sagen könnte: j wer kann hinüber über das Meer und sie holen und uns mitteilen, so daß wir sie 1 erfüllen, sondern sehr nahe liegt dir die Sache in deinem Mu»de und in deinem Herzen. — Doch wenden wir uns jetzt den praktischen Reformen zu, die das Deuteronomium anfweist. Wie vorhin schon zu zeigen versucht wurde, war der kleine Bauer durch das Entstehen des Großgrundbesitzes und der beweglichen Habe in die größte Not geraten, die sich besonders in der Gefährdung des Kredits äußerte. Deshalb zielten die Anordnungen des Deutoromiums in erster Reihe auf Erleich- * terung der Lage des Schuldners. Viele Bestimmungen schließen sich auch hier an das Bundesbuch an, aber sie sind tiefer gehend und vor allem sittlich reifer. Das alte Gesetz, daß man nicht Zinsen nehmen soll von seinem Volksgenossen, wird wieder erneuert. Eine andere Bestimmung, deren sich unsere neueste Gesetzgebung als einer ihrer höchsten Errungenschaften rühmt, enthält eine Beschränkung des Pfandrechts, indem man die zum Leben notwendigen Dinge von der Pfändung ausschließt. „Man soll nicht Mühle und Mühlstein pfänden, denn das Leben pfändet man." Eine andere Bestimmung des Bundesbuches über die Freilassung der Schuldsklaven im 7. Jahre wird dahin erweitert, daß man sie nicht ohne jedes