Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 254 sehr erklärlich, daß, da kein fester Zusammenhang zwischen den einzelnen Stämmen bestand, die Nachbarn, angelockt durch die Fruchtbarkeit des Landes und den sich mehrenden Wohlstand der Bewohner, fortwährend Einfälle machten. Wir hören von Kämpfen mit Midian, Amalek, Moab, den Philistern und anderen, denen die Stämme einzeln unter Führung ihrer Stammeshelden, der Richter, entgegentreten. Nur selten gelang es, wie wir aus Deborahs Siegeslied erfahren, eine größere Reihe von Stämmen im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind zu vereinigen. Diese häufigen Angriffe mußten in den einzelnen Volksteilen den Wunsch rege werden lassen, sich enger aneinander anzuschließen, und so kam man dazu, einen König (Melech) zu wählen. Es wäre nun natürlich ganz falsch, sich unter einem solchen Melech einen modernen Herrscher vorzustellen. Die Stellung, die man ihm einräumen wollte, war sicherlich nicht viel mehr als die des Führers des gesammten Volkes im Kriege Doch dank den Persönlichkeiten, die den Thron bestiegen, weiterte sich ihr Machtkreis zusehends, man scharte sich um den Thron, der jetzt Mittelpunkt für das gesammte Volk wurde. Hatten die Stämme früher einen Verzweiflungskampf um ihre Ezistenz führen müssen, so gelang es ihnen jetzt, eine Achtung gebietende Stellung im Rate der Völker des Ostens einzunehmen. Von tief einschneidender Bedeutung wurde es, daß David, der weitblickende Herrscher, seinem Reiche eine Hauptstadt gab, in der ein ausgeprägtes Städteleben sich entwickelte und lokaler Handel zur Blüte kam. Hand in Hand damit ging die Niederwerfung der Kananiter und damit die Besitznahme der Karawanenstraßen, die den Weg nach der Küste freilegten. Es beginnt die zweite große Epoche im wirtschaftlichen Leben Israels, seine Handelsthätigkeit. Mit ziemlicher Sicherheit ist anzunehmen, daß bald ein lebhafter Verkehr zwischen ihnen und den schifffahrenden Phöniziern sich anbahnte. Die Phönizier nämlich waren. angewiesen auf die landwirtschafilichen Produkte Palästinas. So hören wir denn, daß Salomo dem Könige von Tyrus 2000 Kor Weizen und 20 Kor Öl lieferte. Von Salomo und späteren Königen wissen wir, daß sie Schiffe ausrüsteten, die nach Ophir, dem sagenhaften Goldlande, ihren Weg nahmen. Aber mit der Ausbildung des Handels und der intensiven Beschäftigung mit ihm verfällt immer mehr die alte Wirtschaftsverfassung, die ihre Schiverkraft im Grundbesitz batte. Die Wirtschaft des freien Bauern, der bisher der maßgebende Faktor im Lande gewesen war, muß weichen einem Stande von Leuten, die ihren Reichtum im Handel gewonnen haben, und durch ihr finanzielles Übergewicht der selbstständigen kleinen Grundbesitzer, der fast immer in Geldverlegenheit war, in völlige Abhängigkeit von sich brachten. Die Reichen nutzten natürlich diese schwierige Lage des Bauern weidlich aus, indem sie die kleinen Höfe auskauften, gewaltige Landgebiete in ihrer Hand vereinigten und de» ehemals freien Bauern auf die Stufe des Hörigen, des Leibeigenen herabdrückten. Diese Zustände muten uns modern an. Denn, was hier als Entwicklung der Wirtschafts- Verhältnisse Israels dargestellt wird, hat fast zu allen Zeiten bestanden und bewegt