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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-11-01 · Heft 11 (1.11.1901) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 11 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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\ Massenkämpfe und soziale Meform in Zsraet. j Bon Kurt Alexander-Berlin. Mit dem Wörtchen „sozial" pflegen wir gewöhnlich den Begriff des Modernen, des Zeitgemäßen zu verbinden. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, alle die Leiden und Gebrechen, an denen unsere Zeit krankt, unter die Kategorie „sozial" zu nehmen und sie mit dem Gesamtnamen „soziale Frage" zu bezeichnen, daß es ' uns schwer ankommt, zu glauben, daß auch andere Zeiten und Geschlechter sich in { dem Besitz einer solchen „sozialen Frage" glücklich schätzen konnten. Allerdings ist \ unbedingt zuzugeben, daß die Unzufriedenheit nie so breite Schichten der Bevölkerung - erfaßt hat, wie heute, daß nie zuvor so viele Projekte zur Besserung der Verhältnisse [ gemacht wurden. Das Schlagwort „Sozialreform" das zwar jetzt aktueller denn je ist, hat im Prinzip zu allen Zeiten bestanden, denn niemals in der Geschichte hat eine Gesellschaftsordnung existiert, die Licht und Schatten nach allen Seiten; gleichmäßig verteilt hätte. Stets haben es einzelne Klassen der Gesellschaft ver- ' standen, sich über andere emporzuschwingen und mit rücksichtslosem Egoismus ihre Machtstellung ausgeuutzt. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß die Gattung der Klassenkämpfe, wie die der sozialen Reformen je nach dem Stande der wirt- J schaftlichen Entwicklung des betreffenden Landes verschieden waren. Daß auch in Israel schwere Klassenkämpfe stattgefunden haben, denen man durch soziale Reformen entgegenzuarbeiten suchte, ist noch nicht allzulange bekannt und stößt in Laienkreisen immer auf einen gewissen, unwillkürlichen Wiederstand. Schwebt uns doch, die wir die Bibel kennen vor, daß der Friede, den sie ausströmt, seine Grundlage hat im , inneren Frieden des Volkes Israel, daß der gemeinsame, verbindende Gottesgedanke \ Unterschiede gesellschaftlicher Natur nicht aufkommen ließ, daß in dem Volke, von E dem Gleichheit aller Menschen vor Gott gepredigt wurde, auch Gleichheit unter den r Volksgenossen bestand. Diesen Glauben muß man allerdings zerstören, aber zu E seiner Entschuldigung lassen sich zwei Gründe anführen, die ihn veranlaßten. Die Betrachtungsweise, die dazu führt, nicht nur die rein geistigen Bestrebungen eines k Volkes, sondern auch die gesellschaftlich-wirtschaftlichen Faktoren als maßgebend und d bedeutsam für seine Entwicklung anzusehen, ist noch ziemlich neu. Man ist heute | so weit, bei der Betrachtung der Kultur eines Volkes als reale Grundlage, auf \ der sie sich aufbaut, die wirtschaftlichen und sozialen Momente mit ins Auge zu - fassen und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als es bisher geschah. Und dann, von Kindheit an sind wir gewöhnt, die Bibel als Buch religiöser Erbauung, als Buch, in dem die höchsten und tiefsten Gedanken, deren Menschen fähig sind, > ausgezeichnet sind, zu verehren und wir haben dabei oft außer Acht gelassen, daß sie auch ein Buch der Geschichte ist, der Geschichte des Volkes, dem wir sie verdanken. Allerdings ist sie ein ganz eigenes Buch der Geschichte. Die ganze Eigenart des jüdischen Volkes, seine eminent religiöse Begabung und seine tiefe Inner-

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