Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Bracteaten der Polenherzoge des 12. Jahrhunderts begrüßen wir sogar hebräische Typen als sichere Beweise der jüdischen Thätigkeit in den damaligen polnischen Münzstätten. - Aus einer Zeit, in welcher fast in allen christlichen Ländern die bitterste Verfolgung und der härteste Druck über die Inden hereingebrochen war und in welcher dieselben längst von jedem öffentlichen Amte ausgeschlossen waren, giebt uns ein Erlaß des Königs Ludwig II. von Ungarn 1524 Kunde von der Bestellung des Juden Jsac zum Münzmeister und Vorstand der königlichen Prägestätte zu Kaschau. Die wortgetreue Übersetzung dieser im ungarischen Nationalmuseum zu Budapest anfbewahrten lateinischen Originalurkunde lautet: „Ludwig von Gottes Gnaden König von Ungarn und Böhmen rc. Verständige, umsichtige liebe Getreue! Nachdem Wir schon die Prägung neuer Münzen in dieser Stadt Kaschau begonnen haben, ist es notwendig, irgend Jemanden, der die Prägekunst vollständig verstehe, hierüber zum Verwalter zu bestellen. Damit die Prägungen i» günstiger Weise fortgesetzt werden könnten, haben wir von dem hochansehnlichen und rühmlichen Herrn Johann Woiwoden von Siebenbürgen den fürsichtigen Juden Jsac ausgenommen, welchen wir durch seine hinlängliche Erfahrung, sein Wissen und seine Meisterschaft in diesem Fache zu diesem Amte vor allen Anderen bestens begabt erachten. Da Unser Getreuer, der hochwürdige Herr Paulus von Varda, Bischof zu Veszprim, Unser Schatzmeister, denselben zugleich mit seinem Diener, welcher ebenfalls in demselben Kammeramte angestellt ist, zur Verwaltung dieser Ausprägung bestellt hat, so hoffen Wir darauf zuversichtlich, daß seine Betriebsamkeit Uns zum Nutzen und Euch in Nichts zum Schaden gereichen werde. Deßhalb wollen Wir und tragen es Euch Getreuen in strenger und warnender Weise auf, daß insobald das Vorliegende zu Eurer Kenntniß gelangt sein wird» Ihr den sich bei Euch um gastliche Aufnahme bewerbenden Juden Jsac nicht nur mit einer friedsamen Wohnung versehen, sondern ihn auch gegen jedes Ungemach verteidigen und beschützen sollt und werdet Ihr aus keinem Grunde anders an ihm handeln. Gegeben zu Ofen am Tage des Abendmahles des Herrn, im tausendfünfhundertundvierundzwanzigsten Jahre desselben." Dem Wortlaute dieser Urkunde entnehmen wir, daß der Münzmeister Jsac in gleicher Eigenschaft früher bei dem Woiwoden Johann Zapolya von Siebenbürgen bedienstet sein mußte und daß dieser mächtige Vasalle, um seinem Lehens» Herrn gefällig zu sein, den erprobten Meister dem Könige überlassen hatte. Die warmen Worte der Empfehlung, welche König Ludwig an den Rat der Stadt Kaschau richtet, geben uns einen Begriff von dem hohen Vertrauen, dessen sich Meister Jsaac der Jude bei seinem königlichen Herrn zu erfreuen hatte.