Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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TTTF — ä4ö — Genius des Judentums von einander geschieden und waren in den schroffsten Gegensatz geraten. In Jesus hatte sich alle die starke religiöse Kraft seines Volkes zusammengefaßt und hatte die unlösbar scheinende Verbindung, in die sie seit Jahrhunderten mit dem Staatsgefühle der Juden getreten war, aufgehoben. Kein Zweifel, der jüdische Glaube und das jüdische Sittengebot waren dadurch wesentlich gesteigert, und zwar in ihrer Richtung, aber weit über die bisherige Entwicklung hinaus aufgehöht worden; aber die alte, nie erloschene Hoffnung auf nationale Selbstständigkeit war dabei das Opfer gewesen. Ein Opfer, das Jesus seinem Volk zu bringen zumutete und zu dem es sich doch noch nicht verstehen mochte oder konnte. Soll man es darüber verdammen? Und hat unser so ganz national empfindendes Zeitalter dazu besonderen Anlaß?" Gin Kyinese über den christlichen Antisemitismus. Als ich von Ihnen Abschied nahm, um nach Tsong-kuo (China) zurückzukehren, versprach ich. von Zeit zu Zeit über meine Erlebnisse zu berichten. Ich mache heute mit dem Briefwechsel den Anfang und hoffe, daß Sie noch so viel von Ihren Studien der chinesischen Sprache behalten haben, um einzelne Ausdrücke, die ich weder auf englisch noch auf französisch wiederzugeben weiß, zu verstehen. Meine Reise nach hier legte ich ohne Unfall zurück und sah meine Familie in bester Gesundheit wieder. Jetzt bin ich damit beschäftigt, meine in Europa gemachten Beobachtungen aufzuzeichnen, um dieselben später als ,8iau-8vkvo" zu veröffentlichen. Wenn, was ich hoffe, dieses Buch hier eben so viel Aufsehen erregt wie meine Tracht, und besonders mein „Pien-tsi” (Zopf) in Ihrer Welt, so will ich mit dem Erfolge zufrieden sein. Ich verstehe übrigens immer mehr, daß Ihnen, unser Zopf absonderlich erscheint, aber in Europa giebt es gar viele Dinge, die viel absonderlicher sind, obschon dieselben sich nicht so „greifbar" (na-cho) zeigen. Denken sie z. B. an die sogenannte „Judenfrage"? Das ist, ich darf es wohl aussprechen, ohne mißverstanden zu werden, auch ein „Pisu-toi", den die Judenfeinde (tsaDg-ni) tragen, jedoch versteckt unter dem Rocke, so daß man ihn nicht sieht. Und wenn er bei Gelegenheit zum Vorschein kommt, so ist er weniger harmlos als der unsere und oft mit dem Gift (tu-si) der Unduldsamkeit getränkt. Wir haben hier in China die verschiedensten Rassen und Glaubensbekenntnisse, die friedlich nebeneinander bestehen. Auch Juden leben unter uns, schon seit langer, langer Zeit, was in Europa wohl wenig bekannt ist. Man nennt sie „Tiav-king-kiav“, das heißt: „Sekte, welche die Nerven ausreißt". Ein seltsamer Name, nicht wahr? Ich will seinem Ursprünge nachforschen und Ihnen, was ich darüber erfahre, mitteilen. Sie