Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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247 auch immer, im kleinsten Städtchen oder Dorfe in Amerika oder Europa, eine Diskussion über das Judentum sich entspinnt, zur Hand sei, um zu beraten und \ zu belehren. 1 Mein Vorschlag ginge nun dahin, daß wohlhabende Juden Exemplare dieser Encyklopädie ankaufen, nicht sowohl für sich selber, als vielmehr zur Verteilung | unter die Bibliotheken jener Städte und Dörfer, denen die Mittel zur Anschaffung j des Werkes fehlen. Eine trefflichere Anlage für das Judentum kann wahrlich nicht i gemacht werden. Ist einmal jede Bibliothek damit versehen, so gilt die Ausflucht .j nicht mehr, das Judentum sei schlecht vertreten in der Presse, auf Kanzel und j Tribüne. — Wo die Dinge so verständlich liegen, muß in der That der Geist, der sie zu erfassen sich weigert, auf einem tiefen Niveau stehen. Ich vertraue darauf, daß meine Worte Beherzigung finden werden. Ich \ hege die Überzeugung, das Viele es als eine Ehre ansehen werden, einer Bibliothek ein solches Geschenk machen zu dürfen. Herr Andrew Carnegie hat ein edleS J Beispiel gegeben, indem er gegen 200 Bibliotheken in Europa und Amerika gegründet. } Mögen die Juden dieses Beispiel nachahmen, daß in jeder Schule, in jedem Gotteshaus, in jeder Volksbibliothek ein Exemplar der Encyklopädie aufliege, um so zum J Ruhme Israels, zur Verbreitung der Wahrheit und zur Wohlfahrt der Menschheit beizutragen. y Arof. Kart ZLreystk über „Jesus und die Juden." Das Christentum ist aus dem Geiste des jüdischen Volkes heraus geboren, ist sein Erzeugnis, seine größte Leistung. Jesus ist so ganz erfüllt gewesen von den letzten und tiefsten Gedanken seines Volkes, daß er uns Nachgeborenen erscheint wie der fleischgewordene Genius des Judentums. Alles, aber auch alles, was den 1 Christenglauben hinaushebt über die anderen Religionen, ist jüdischen Ursprungs: i so vor allem die unerhörte Inbrunst der Gottesverehrung und die Schöpfung des \ persönlichen Einen Gottes. Beides war jahrhunderte alter Besitz der jüdischen J Nationalreligion und Jesus hat an ihm nichts geändert, nichts dazu gethan, noch etwas davon entfremdet. Nicht Griechen, nicht Römer, nicht Germanen haben je - den Gedanken eines einzigen höchsten und doch persönlichen Gottes gefunden, und j noch weniger hat eines von diesen Herrenvölkern der Weltgeschichte es über sich f gewonnen, sich so tief vor den Gestalten seines Glaubens zu demütigen, wie dieser - grüblerische Hirten- und Bauernstämm schon in seinem frühen Mittelalter gethan - hat. Neben den größten Besitztümern des Christentums aber stammten auch die meisten seiner geringeren Glaubenssätze aus dem jüdischen Erbe: so der ganz eigentümliche Gedanke eines zur Erde niedersinkenden Gottesreiches und der eines menschlichen, aber besonders heiligen Vermittlers zwischen dem Gott und den Gläu-