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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-11-01 · Heft 11 (1.11.1901) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 11 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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' J im esoterische Studien und an fremde Kultur verfolgt wurden, fanden ihre Forschungen einen günstigeren Boden im Westen, namentlich in Spanien und Frankreich. Hier entstand eine Sammelstätte für jüdisch-arabische, oder besser jüdisch-griechicharabische Theologen, Dichter, Philosophen und Forscher, denen Bibel und Talmud allerdings heilig waren, jedoch nicht Gegenstand eines blinden Fetischismus. In; dieser Schaar glänzender Geister war Maimonides der hervorragendste, indem er den Pfad der Irrenden zu erleuchten suchte mit seinem „Moreh Nebuchim", welcher den jüdischen Glauben mit der Vernunft in Einklang zu bringen trachtete. Dieses Buch und andere ähnlicher Art gaben dem jüdischen Geiste neue Impulse. Überall etitstanden neue Commentare zu Bibel und Talmud, aber auch auf anderen Gebieten schuf der jüdische Geist Originalwerke, so in der Medizin, in der Astronomie, in der Philosophie und in der Poesie. Es war eine Periode der Renaisiance! jüdischer Forschung, in welcher Vernunft und Glaube, Tradition und Fortschritt, Rationalismus und kabbalistischer Mystizismus zur Vereinigung kamen. Diese goldene Aera des Friedens und der geistigen Wiedergeburt in Israel sollte nicht von Bestand sein. Die spanische Inquisition brachte neue Verfolgungen über Europa, mit Ausnahme des freien und hochkultivierten Holland. Die Juden wurden in Ghetti eingeschlossen und so von jeder Berührung mit der Welt abgeschnitten, die für jeden Fortschritt unentbehrlich ist. Die Entwicklung des Judentums war einigermaßen gehemmt. Biblische und talmudische Studien wechselten mit einander ab. Als endlich die Mauern der Ghetti fielen, erwachte der alte Geist Israels, der nicht tot, sondern nur zu Schlaf verurteilt gewesen — reif für die Assimilation — zu neuem Leben. Wie die lang unter dem Boden schlummernde Saat, geweckt von den befruchtenden Kräften der Natur, emporblüht, so lebt der jüdische Geist unter dem heilsamen Einflüsse des Friedens und der Freiheit wieder auf. Das alte talmudische Judentum fühlt den kräftigen Hauch des neuen Lebens. Der Repräsentant und Prophet dieses Zeitalters ist Moses Mendelssohn, welcher philosophische Werke schrieb und das Judentum mit dem herrschenden Rationalismus in Glaube und Lebensführung in Einklang zu bringen sich bemühte, dem Ghetto deutsche Kultur zuführend. Das größte und bedeutungsvollste Ereignis in diesem Zeitalter ist das heroische Unternehmen Mendelssohn's, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Er erschloß den Juden neue Forschungspfade und brachte das Judentum zu höherem Ansehen. Der Gesamtaspekt des Volkstums Israels zeigt Spuren eines früheren Fetischismus, einer Naturanbetung und eines in Monotheismus übergehenden Politheismus unter dem Einfluß egyptischer, babylonischer und kanaanitischer Religionen; ferner einen Prophetismus in Färbung persischer und griechischer Kultur, auslaufend in die drei Sekten: Pharisäer, Sadducäer und Essener. In neuerer Zeit machten sich unter dem europäischen Judentum zwei Hauptrichtungen geltend, eine konser«

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