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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-11-01 · Heft 11 (1.11.1901) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 11 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Bekleidung, Arbeits- und Ruhezeit, sowie ihr religiöses Verhalten. Er war Herr über ihr religiöses, biirgerliches, häusliches und soziales Leben. Er nahm den Platz der alten Orakel ein und gab Rat über Krieg und Frieden durch Urim und Thummim. Er verkörperte die Vorsehung des Volkes, belohnte die Gerechten und strafte die Bösen. Er war Richter und Gesetzgeber, er war der König der Könige. So entwickelte das Judentum während der langen Jahre seiner nationalen Selbstständigkeit ein vollständiges theologisches System, eine ethische, bürgerliche und sanitäre Gesetzgebung, wie sie in dem heiligen Schrifttum vorliegen. Von größter Bedeutung für die Entwicklung des Judentums war der Einfluß, den der griechische Geist auf seine Kultur gewann. Neue Lebensverhältnisse wirkten verändernd auf das religiöse und soziale Leben ein, das sich den Umständen gemäß modifizierte. Der Hellenismus mit seinem Stich ins Abendländische, mit seinen eigentümlichen Lebensformen, mit seiner bildnerischen Kraft verstünimelte die alten Ideale von Israels Religion, der Konflikt zwischen dem Alten und Neuen führte zu heftigen Kämpfen und endete mit der Sektenbildung der Sadducäer, Pharisäer und Essener, alle untereinander verschieden, aber alle an den Fundamentalsätzen des Judentums gleich festhaltend. Die Geschicke einer einzigen Sekte verfolgen und ihre Religion Judentum zu nennen, diese Einseitigkeit würde der Geschichte und der Entwicklung des jüdischen Geisteslebens nicht gerecht werden. Mit dem Sturze des Judentums, der bald darauf erfolgte, schwand Alles, was vom alten nationalen Kultus geblieben war, der Altar, der Opferkult und die priesterlichen Funktionen. Israel zerstreute sich über die ganze Erde, namentlich über den Orient, errichtete Synagogen, Schulen und Akademien mit einem neuen Mittelpunkt in Babylon. Den nationalen Staat überdauerte die Religion und der Eifer für das Gesetz. Es folgte eine Periode der geistigen Wiedergeburt. Die Rabbinen und Schriftgelehrten sammelten die Gesetze und' Traditionen, die die religiösen Sitten, Gebräuche und Riten behandelten, lehrten, was noch in der Erinnerung und dem praktischen Leben sich bewährt hatte, und kodifizierten es. Eine Auslegungsmethode wurde aufgestellt, vermittelst deren jede neue Institution, jedes Gesetz, jede Ceremonie auf das Schrifttum gestützt werden konnte, um dessen Autorität intakt zu erhalten Biele Monographien und Bücher über Theologie, ethische und bürgerliche Gesetze wurden verfaßt. Eine mächtige Begeisterung für die Erforschung, Erhaltung und Auslegung des Gesetzes lebte im Volke auf, gipfelte im Talmud, der eine andere Gattung heiliger Schriften für Israel wurde. Kein Gesetz wurde geduldet, keine Philosophie oder Religion zugelassen, sie wären denn in Bibel und Talmud enthalten gewesen. Gleichwohl erlitt der Fortschritt keine Unterbrechung. Im gleichen Maße, als die Juden sich dem Studium der griechischen Philosophie und Literatur widmeten, fühlten sie sich zur arabischen Wissenschaft, Philosophie und Dichtkunst hingezogen. Während jedoch die jüdischen Gelehrten im Osten roe&ett ihrer Hingabe

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