Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 46 *— Im vorigen Jahre hat Herr Prof. Dr. Stichler im VI. Jahresberichte der israel.- theolog. Lehranstalt Wien*) (1899) die Wissenschaft bereichert durch „die Darstellung der Tobiaden und Oniaden aus den Quellen des II. Makkabäerbuches und der jüdischhellenistischen Litteratur." Er beleuchtete nicht nur die Epoche von der Rückkehr der Juden aus dem Exil bis zum Auftreten der Makkabäer, sondern stellte einerseits den Kampf der Bureaukratie mit der Hierarchie, andererseits der jüdisch-religiösen (nationalen) mit der hellenisierenden Richtung dar, welche den Sturz der Tobiaden herbeiführte. Die Vereinigung der höchsten politischen und priesterlichen Würde durch den Hasmonäer Jonathan brachte dem Lande Judäa, das wegen Coelisyriens in den Kampf der Ptolomäer gegen die Seluciden, im äußerlichen und im innerlichen Sinne, hinausgezogen ward, Ruhe, Ordnung und Frieden. (153 v.). Mehr als ein Jahrhundert verging, und der Kampf der Pharisäer und Sadducäer begann. Jene waren Aristokraten des Geistes, diese Amtshierarchen. Aber auch in den Hochschulen der Wissenschaft kämpfte die Schamaitische Schule des Dogmatismus gegen die Hillelitische Schule des Rationalismus innerhalb der überlieferten Lehre des Judentums. Von der Opposition jener Schule gegen diese bieten die „Controversen der jSchamaiten und Hilleliten" (Wien 1893), welche Herr Prof. Dr. Adolf Schwarz als Beitrag zur Entwickelungsschichte der Halachah veröffentlicht hat, ein klares Bild innerhalb des Rahmens historisch entwickelter und erörterter Lehrmeinungen. Das Buch gipfelt in den Gedanken, daß die Erleichterungen der Schamaiten und die Erschwerungen der Hilleliten hinsichtlich der rituellen Praktiken nur in der Gegnerschaft der Schamaiten gegen die Lehrmethode und den Lehrgehalt Hillel's ihre Begründung finden, daß aber von einer Unsicherheit in der Begründung und Fassung halachischer Lehrsätze — nicht die Rede sein kann. — Aus derselben Wurzel des Antagonismus der Schamaiten ist auch die Opposition gegen „die hermeneutische Analogie" der Hilleliten nach der Ansicht des Herrn Verfassers des so betitelten Werkes (Wien 1897), des Herrn Rektors Prof. Dr. Schwarz hervorgegangen. Allerdings wäre ich geneigt, die Ansicht auszusprechen, daß die Normen der Analogien aus zwei gleichen Worten des Pentateuchs *) Die Lehranstalt hat 27 Hörer. Am Religionslehrer-Curse nahmen 11 Lehrer teil. Lehrthätig wirkten die Herren Rektor Prof. Dr. Schwarz, Prof. Dr. Büchler, Rektor M. Friedmann, Prof. Dr. H. Müller. Als Sprachlehrer wirkten Prof. Dr. Jerusalem (deutsch), Dr. Monat (polnisch), Dr. Fuhrmann (böhmisch). Die Lehranstalt ist subventioniert von der österreichischen Regierung, den Vorständen der Gemeinden Wien. Prag und Lemberg, vom mährischen Lanoesmasiefonde und von der Landesjudenschaft in Böhmen. Stipendien stifteten die Häuser Baron v. Königswarter, Ritter v. Gutmann u. a. m. An der Spitze des Kuratoriums steht Herr Vorsitzender Moritz Karpeles. Mitglieder des Kuratoriums sind Oberrabbiner Dr. Guedemann, Rabbiner Dr. A. Schmiedl, Landesrabbiner Dr. Placzeck, (Brünn), Hofrat Prof. Dr. Grünhut, kaiserl.-königl. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, David Ritter v. Gottmann, Dr. Arnold Rosenbacher (Prag). Dr. Adolf Stein, Dr. Moritz Lichtenstern (Prag), Kaiser!. Rat Heinrich Klinger, Moritz Edler v. Kuffner, Dr. Emil Byk, Wilh. Freiherr v. Königswarter, Theodor Ritter v. Tanßig. Fast sämmtliche aus der Lehranstalt hervorgegangene Rabbiner befinden sich in amtlichen Stellungen. (VII. Jahresbericht. Wien 1900.)