Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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- «a> V-J- P&vjzr unsere vollste Anerkennung zollen müssen. Maimonides hatte sich bei Abfassung seines „Moreh Nebuchim“ zum Ziele gesetzt, das Judentum so darzustellen, daß selbst philosophische Leser von der Wahrheit desselben überzeugt werden sollten. Dasselbe Ziel scheint auch dem Verfasser vorliegenden Buches vorgeschwebt zu haben; denn die ganze Darstellungsweise zeigt, wie der Verfasser bemüht ist, klarzulegen, daß die jüdische Religion die Ergebnisse der modernen Wissenschaft nicht zu scheuen braucht. Das Buch dürfte sich daher besonders für Schüler an den obersten Classen (Secunda und Prima nach deutscher, 7. und 8. Classe der Gymnasien nach österreichischer Einrichtung) eignen; für jüngere Schüler allerdings dürfte das Buch zu schwer sein; es setzt aber auch bei dem Lehrer philosophisches Wissen voraus. Das Buch zerfällt in drei Theile: I. Theoretischer Teil (a. Gott Welt. b. Mensch und Menschheit) II. Praktischer Teil. (a. Das Sinaitische Grundgesetz, b. das Gesetz der Nächstenliebe, c. Das Gotteshaus und der Gottesdienst. d. Die erhabenen Tage der Wiedergeburt. III. Historischer Teil. (a. Die israel-jüdische Volksgeschichte, b. Die israel-jüdische Religionsgeschichte.) Die Belegstellen aus der ganzen heiligen Schrift sind sehr treffend gewählt. Wir wünschen dem Buche aber auch erwachsene denkende Leser, damit sie ihr Judentum verstehen und würdigen lernen. — Im selben Verlage sind noch zwei andere kleinere Schriften erschienen: Dr. W. Doppelauer, die jüdische Tradition. Reihenfolge der jüdischen Lehrer und Weisen vom Urbeginn der jüdischen Lehre bis 1650 d. g. Zeitraumes (1 Mk.) und S. Daiches, Rabb. Israel Hildesheimer. (70 Pfg.) Elftere Schrift ist eine Jubiläumsausgabe der M. Poppelauer'schen Buchhandlung, die der Erinnerung an den Begründer derselben, Dr. Bk. Poppelauer, gewidmet ist. Der als Schriftsteller wie als Hebraist rühmlichst bekannte Dr. Kernfeld hat eine deutsche und eine damit sich deckende hebräische Einleitung geschrieben, aus der hervorgeht, daß Dr. M. Poppelauer, Privatmann und Gelehrter, dieselbe 1843 angefertigt hat, mit dem Zwecke, in „aller Kürze die Reihenfolge der jüd. Traditionskette zu geben." Das Schriftchen ist in hebräischer Sprache geschrieben und bat auch heute noch seinen Wert, wenn es auch mit kritischem Auge gelesen werden muß, da ja die jüdische Wissenschaft seit jener Zeit zu manch' anderen Resultaten gekommen ist; so geht es beispielsweise nicht mehr an, um nur eines hervorzuheben, die Tosefta als ein Werk zu betrachten, das zu dem Zwecke von R. Chia verfaßt wurde, um die Mischna zu erklären. (S. 5). Übrigens muß man sich vor Augen halten, daß die Herausgabe der Schrift ein Akt der Pietät ist und deshalb wollen wir keinen strengeu Maaßstab anlegen. — Die Schrift von Daiches giebt in einfacher und klarer Sprache ein Lebensbild des vor mehr als einem Jahre verstorbenen Rabbiners und Rektors Israel Hildesheimer, das uns das hervorragende Wirken, das unermüdliche Kämpfen und Ringen eines Mannes zeigt, dem man die Anerkennung nicht versagen kann, auch wenn man nicht auf seinem Standpunkt steht. Brüx. Dr. Adolf Bi ach.