Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969906-2969909--6245-2975577- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-«W ‘-Vs f l~*' - -,o - •», — 44 — Redner führte in seiner Einleitung zum Vortrage aus, daß der zu behandelnde Geschichts-Abschnitt einen Mann zeige, dessen politisches Verhalten von großer Bedeutung für die Stellung der Juden in den nachfolgenden Jahrhunderten gewesen sei. Der Vortragende zeichnete dann das Milieu, indem sich das Bild dieses eigenartigen Mannes entwickelt hat, um dann seinen Lebensgang den Zuhörern genau darzulegen. Josephus war der Sohn des Hohenpriesters Mathias und im Jahre 37 nach d. gew. Zeitrechnung geboren. Schon in seiner Jugend zeigte er eine außerordentliche Mßbegierde und eignete sich vorzügliche Kenntnisse an, die er noch wahrend eines dreijährigen Aufenthaltes in der Wüste, wo er sich zu einem Einsiedler Banus begab, vervollkommte. Mit 26 Jahren hatte er Gelegenheit nach Rom zu kommen, wo er mehrere jüdische Gefangene auslösen sollte, was ihm auch durch die Gunst der Kaiserin Poppeja, die er für sich zu gewinnen verstanden hatte, gelang. Bei seiner Rückkehr war er zu sehr von Roms Größe und Herrlichkeit erfüllt, um sich nicht der Partei anzuschließen, die eine Vermittlung mit Römern herbeiführen wollte. Er hätte jedoch, als er durch hohe Protektion zum Feldherrn der Provinz Galiläa berufen worden war, seinen Posten im Sinne des gegen die römische Frenidherrschaft gerichteten Aufstandes einrichten müssen. Diesen hohen Ehrgeiz besaß Josephus nicht und deshalb ist seine staatsmännische Thätigkeit auch für den Ausgang dieser Bewegung verhängnisvoll geworden. Es würde zu weit führen, die weiteren Einzelheiten, die der Redner bot, hier wiederzugeben. Josephus überlebte den Fall seiner Vaterstadt Jerusalem und ging dann mit dem römischen Feldherrn Titus nach dem Ziel seiner Wünsche, nach Rom, wo er dann Geschichte schrieb. Um auf diesen Teil des Vortrages noch einzugehen, wollen wir bemerken, daß der Vortragende die Ansicht aussprach, daß Josephus Werke ein getreues Spiegelbild seines Lebens gewesen seien. Nachdem seine Art, die Geschichte zu färben oder zu fälschen von dem Geschichtsschreiber Justus von Liberias angegriffen worden war, schrieb er gegen diesen seine Lebensgeschichte, die in der Hauptsache seine Thätigkeit in Galiläa schildert. Gegen das Ende seines Lebens schrieb er sein Werk „Gegen Apion oder über das Alter des jüd. Volkes". Von edler Wärme durchleuchtet, stellt dieses Werk eine Verherrlichung des Judentums dar. Redner schloß damit, daß aus Josephus Werken ersichtlich sei, daß ein höherer Wille das Untergehen des jüdischen Volkstumes in andere Völker vereitelt und diese Wahrnehmung sei Stab und Stütze für uns auch für die Zukunft. Weferate und Mitteilungen. Levin, Dr. M., Lehrbuch der israelitischen Religion. Serlin 1900. M. Poppelauer's Buchhandlung. Preis 1 Mk. 50 Pfg. Von dem rühmlichst bekannten Verfasser der Lehrbücher der biblischen und nachbiblischen jüdischen Geschichte und Literatur ist ein „Lehrbuch der israelitischen Religion" erschienen, dem wir