Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 Bestimmungen, den Kreis der zwangsweise zur Fürsorgeerziehung zu überweisenden Minderjährigen ganz bedeutend. Diese Art der Erziehung soll ausschließlich auf konfessionellem Boden stattfinden. Allein bisher bestehen für solche verwahrloste Kinder, die nicht in Familien nntergebracht werden können, nur Anstalten mit ausgesprochen christlichem Charakter. Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" hat diese hochwichtige und dringende Angelegenheit schon längst zum Gegenstände seiner Beratungen gemacht. Er kann jetzt mit Genugthuung und Freude konstatiren, daß ein wohlthätiges Ehepaar ihm ein Schloß in Pommern mit dazu gehörigen 40 Morgen Park, Garten, Wiesen und Ackerland zur Errichtung einer „Israelitischen Fürsorgeerziehungs-Anstalt" geschenkt und er solches zu dem gedachten Zweck angenommen hat. Im kommenden Mai wird die Anstalt zur Aufnahme von Zöglingen bereit sein. — In Kerlin starb der bekannte Possen-Dichter und Librettist Hermann Kirschel im 53. Lebensjahre. Er wurde zum Kaufmannsstande bestimmt, ließ sich aber durch eine starke Neigung zur Bühne früh schon von seinen Studien weg dem Theater zuführen. Außerdem war er ein gesuchter und fleißiger Mitarbeiter der großen Witzblätter. 1875 kam Hermann Hirsche! an das Woltersdorff-Theater als Dramaturg und Regisseur. Von da an gehörte Hirsche! der Bühne der Reichshauptstadt an, der er, oft in Gemeinschaft mit anderen Possen-Dichtern, insbesondere mit L. Hermann, eine stattliche Reihe heiterer Werke zuführte. Auch als Operetten- Librettist, als Bearbeiter übersetzter Texte, als Koupletdichter hatte Hirsche! vielfach Erfolge. Die Bühne verliert an ihm einen ihrer begabtesten Schriftsteller. Wer ihn persönlich kannte, betrauert den Heimgang eines still-bescheidenen, allzeit gütigen und teilnehmenden Menschen von vornehmer Gesinnung. — Das Leben und Wirken des am 2. Dezember 1900 im 32. Lebensjahre in Serlin dahingeschiedenen Dichters Dr. Ludwig Jacobowski hat fast in der gesamten deutschen Presse eine anerkennende zum Teil begeisterte Würdigung erfahren. Herr Dr. H. Friedrich widmet ihm einen Nachruf, in welchem er unter. Anderen schreibt: Unzweifelhaft aber gehört Jacobowski zu den ersten unserer Epiker und Lyriker. Mit dem „Loki" schuf er ein romantisches Prosa-Epos von nationalem Geiste und im großen Stil, und seine „Leuchtenden Tage" bilden einen Markstein in der Lyrik der Gegenwart. In der Schönheit seiner Seelensprache, die Volkstümlichkeit mit menschlicher und künstlerischer Eigenart verbindet, kann er der Moderne als Vorbild dienen, ebenso in der Verwendung einfacher, aber stets musikalischer und charakteristischer Reime, Verse und Strophen. Einer weltfremden Phantastik abgekehrt, steht er fest in der Wirklichkeit, für die sozialen Probleme zeigt er ebenso viel Herz wie Einsicht, und alle die Stimmungen, die unsere Übergangszeit durchwühlen, spiegeln sich abgeklärt in seiner Poesie wider. Unerreicht aber dünkt er mich in der Inbrunst seiner Gefühlsäußerungen wie in der schlichten Erhabenheit seiner Weltanschauung Er war nicht blos ein Gedankcnpoet, auch nicht nur ein Empfindlings- und Stimmungspoet, sondern beides zusammen in einer Person, indem er den Dichter mit dem Lehens-