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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-02-01 · Heft 2 (1.2.1901) · p. Seite 40

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 2 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 40 (sequence 16)
Language
German
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— 40 — Lederherz immer heftiger schrie: „Warum sagst Du nichts? Sag' das Schemah! Ist denn keiner, der mir die Liebe anthun will? Seid ihr alle stumm und blind?" Angstvoll kam der Lipp zu mir ins Pfarrhaus und erzählte mir Alles. „Und was will er denn nur mit dem Schemah?" fragte er zitternd. Ich erklärte ihm, daß das die Verse 4 bis 8 im fünften Buch Moses, Cap. 6 bedeutet. Diese Worte enthalten das Glaubensbekenntnis der Juden, und mit diesen Worten auf den Lippen hauchen sie gläubig ihren letzten Athem aus. „Was sollen wir thuu?" fragte Lipp. „Was wir thun können," antwortete ich, nahm meine hebräische Bibel, suchte die Stelle und begleitete Lipp nach Hause. Als ich eintrat, rief der Kranke: „Kommt Ihr? Ich bin bereit!" Ich begann nun in hebräischer Sprache die Worte: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger Gott. Und Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft . . ." Als ich dies in hebräischer Sprache laut las, sah mich der Lederherz groß an, mit jenem wunderbar strahlenden Blicke, in dem das Menschenauge nur in der Todesstunde erglänzt. Ich weiß nicht, ob er mich erkannte, aber kaum hatte ich die ersten Worte gesprochen, als er einfiel und mit erschütternder Stimme die Worte nachsprach, und wenn ich innehielt, winkte er, daß ich sortfahren solle und ich wiederholte es fort und fort. — — Mit dem Worte Adonai (Gott) hauchte er seinen letzten Athem aus, und ich drückte ihm die Augen zu. - . . Ich glaube, daß ich nie getreuer ein Diener am Worte und im Geiste der Liebe gewesen bin, als jetzt, da ich, der christliche Geistliche, einem Juden sein Gebet in der letzten Lebensstunde verrichten half. Spät in der Nacht kam der Bruder und eine Schwester des Verstorbenen und mit ihnen noch zwei Männer aus seinem Dorfe. Lipp erzählte ihnen, wie der Lederherz gestorben sei, und sie kamen zu mir und dankten mir unter heftigem Weinen. Als sie mit der Leiche davon fuhren, gab ich in Gemeinschaft mit dem Lipp dem Verstorbenen das Geleite bis an die Grenze unserer Gemarkung. Dies nun ist eine der Erinnerungen, die mir das Herz am tiefsten bewegen. Eine besondere Erhebung ist es mir, daß das ganze Dorf, — nicht ein Einziger ausgenommen — es in Wahrheit erkannte, wie ich an Lederherz im Geiste der wahren Religion der Liebe gehandelt. Was ich gethan, wurde damit zum inneren Segen für Alle. Wonatsschau. In Köln hielt Herr Dr. Goblen; einen Vortrag, in welchem er ausführte, daß der Umschwung, der in den letzten Jahren sich vollzogen habe, nicht etwa einen i

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