Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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NW 36 " '**??***?*** WffMWMMWMWWWH 1 erkennbar und sind davon nicht die Katholischen von den ihnen so nahe verwandten Protestantischen, die unter den Namen „Mucker" eine besondere Abart bilden, merkwürdiger Weise zu unterscheiden? Aber noch ein Faktor ist in Rechnung zu ziehen, wie wenig -man auf das semitische^ im Juden bei einer Charakterisierung, derselben geben darf. Im Mittelalter waren sie überall Leibeigene des Staates, über welche die Herrscher zu dessen oder persönlichen Vorteil ganz willkürlich und unumschränkt verfügten. Sie konnten von den Kaisern verpfändet, selbst veräußert werden; so verpfändete Kaiser Carl IV. dem Frankfurter Rate die dortigen Juden und für den Fall, daß dieselben inzwischen aussterben oder umgebracht werden sollten, wenigstens deren Eigentum. König Johann von England ließ einen Juden die Zähne ausreißen, weil er ihm nicht geuug Geld herbeischaffte. Bei dem Ausbrechen von sieben Zähnen hintereinander blieb der Mißhandelte standhaft; als man ihm aber den achten Zahn ziehen wollte, versprach er 2000 Mark damaligen Geldes zu bezahlen. Fanatismus und Habsucht erschöpften sich in Bedrückungen und Qualen gegen die Unglücklichen, deren menschliche Natur ununterbrochen auf das tiefste beleidigt ward. Je frömmer der Herrscher, ein desto größerer Judentyrann. Der heilige Ludwig erließ, um sein Gewissen zu erleichtern und für sein Seelenheil zu sorgen, die empörendsten Maßregeln gegen die Juden. Nach einer in der Bretagne im Jahre 1230 ergangenen Verordnung war es sogar verboten, jemanden wegen Ermordung eines Juden gerichtlich zu verfolgen. Schmeckt nach vorausgeschicktem Dergleichen nicht nach Ritualmord? Es gab eine Zeit, wo es den Christen verboten war, ihre Schulden an Juden zu bezahlen. Aus einem Edikte vom 4. April 1392 ist zu ersehen, daß bis dahin die Juden vor der Alternative standen, Christen zu werden und ihr Eigentum konfiszieren zu lassen oder des Feuertodes zu sterben. Man beschuldigte sie der Entweihung der Hostien, die der Pilz „Nonas prodigiosa“ zerstörte, durch Brunnenvergiftung den schwarzen Tod verursacht zu haben, die von den Kriegsvölkern eingeschleppte Pest und verherrlichte eintretende Kirchenjubiläen durch Judenmassenmorde. Nach der Elsässer Chronik von Hertzog aus dem Jahre 1339 wurden einmal .an einem Samstage auf ihrem Kirchhofe zu Straßburg 2000 Juden zur Ehre Gottes verbrannt; überhaupt verbrannte man jedes Jahr in allen Städten am Rhein die Juden und viele zündeten daher aus Verzweiflung ihre Häuser eigenhändig an, sich selber in die Flammen stürzend. In dieser grauenerregenden Zeit wurden, der Gewalt weichend, viele, viele Juden dem Glauben ihrer Väter untreu und Christen. Würde daher der Semitismus, wie vielseitig behauptet, jedem unauslöschliche Merkmale aufprägen, müßten sich solche unter den christlichen Elementen des Abendlandes vielfach finden. So zeigen sich jedoch bei den vielen christlichen Familien Spaniens, deren Vorfahren Mauren oder Juden waren, noch bei den vielen Juden-