Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- '' "':' 1 ■; — 35 — weist dieselben Fehler und Untugenden der übrigen Völker ihrer Zeit auf. vo«; welch' einigen selbst das humanste Volk des Altertums, die Griechen nicht freizu--; sprechen sind. Aber bereits 800 JyHre v Chr. in der Epoche der großen Pro»! pheten nahm der Jeovacult ganz andere Formen an. Jesaias verkündete der ganzen ' Menschheit ein goldenes Zeitalter. Die Idee einer glänzenden allen Menschen bestimmten Zukunft führte zur Propaganda, die sich auch, trotz der damals hiezu ' ungünstigen Weltlage ein ganzes Jahrhundert hindurch vollzog. Angehörige des : jüdischen Volkes dürften sich schon unter der Römerherrschaft und vor der Zer-! störung Jerusalems in den Abendländern niedergelassen haben. Die römischen } Kaiser nahmen dieselben in Schutz, doch dürfte ihnen derselbe von der Herrschaft des Christentums an, nicht mehr zu Teil geworden sein. Fest steht jedenfalls, daß die Juden schon lange vor Beginn des Christentums sich stark mit hellenischen und lateinischen Elementen vermischten. So ergänzte sich die alexandrinische Judenschaft durchschnittlich aus egyptisch-hellenischer Bevölkerung. Ferner wurden zur Zeit der großen Bewegung, die sich in den ersten Jahrhunderten unserer Area vollzog und ungeheuer viel Menschen mit feineren religiösen Gefühlen dem Heidentume entfremdete, ein großer Teil Christen, aber auch eine beträchtliche Zahl Juden. Unter v den Merowingern waren die Juden in Gallien sehr zahlreich. Davon waren die ' wenigsten Palästinenser, sondern einfach Gallier, die sich zur jüdischen Religion : bekannten, und von denen im Allgemeinen die heutigen Juden Frankreichs, Englands und Deutschlands abstammen. Eine interessante Thatsache ist die Bekehrung des ganzen Tartarenstammes der Khazaren am Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr zum Judentume. Diese wohnten vom caspischen Meere bis in die Krim. Gibt; dies nicht der berechtigten Vermutung Rauin, daß unter der an Zahl großen Judenschaft des südlichen Rußlands und der übrigen slavischen Länder auch nur; eine geringe Quantität semitischer Elemente sich befindet? i Das Judentum war allerdings vom Anfänge an eine nationale Religion» aber lauge Jahrhunderte hindurch war dasselbe offen, große Bevölkerungsteile nicht . semitischen Ursprungs haben sich ihm angeschlossen, so daß der Begriff des Judentums in völkischer Beziehung, besonders für das Abendland, sehr fraglicher Natur ist. : Man spricht von jüdischen Typus. Derselbe erhält sich natürlich infolge der Majorität der ungemischten Ehen, wie durch die in Abgeschlossenheit gehaltene Minorität an und für sich, die demgemäß auch ihre eigenen Sitten hat. Es gibtwenn man sich so ausdrücken darf, eine Psychologie der religiösen Minoritäten, die von der Race ganz unabhängig ist. Die Anklagen der Ungebildeten in Frankreich' gegen die Protestanten waren die nämlichen, obgleich beide Gruppen nicht blutsverwandt sind, die Folgen eines Lebens unter Druck und Zwang gleichen sich eben immer. Trägt der Priester unseres Glaubens nicht einen eigenen Typus, der nicht vererbbar, doch immer wieder erscheint? ja, sind nicht selbst die sogenannten „Betbrüder", welchem Stande sie angehören mögen, am Äußeren, wie im Benehme«